Die Künstlerin Maria Lassnig malt was sie innerlich spürt. Das reicht von einer kleinen Drucksensation im Fuß bis zum marternden Herzschmerz. Mit dem Bild „Doppelporträt” verdeutlicht die Freudianerin, dass es pa­rallel zur äußeren Wirklichkeit auch immer diese meist nicht sichtbare – oft bewusst versteckte – Gefühlswelt gibt. Um die geht es in diesem Titelthema. Hebammen wollen professionell sein und versuchen, negativ besetzte Gefühle wie Ekel, Aggression und Angst nicht zu zeigen. Es ist ihnen unangenehm, wenn die inneren Impulse mit dem beruflichen Ideal im Widerspruch stehen. Oft wird dann versucht, die nicht gewollten Empfindungen zu unterdrücken und in ein richtig und notwendig erachtetes Gefühl zu verändern. Das „Herz wird gemanagt”, so die amerikanische Soziologin Arlie Hochschildt. Bei einer dauernden aktiven Um-Interpretation der eigenen Gefühle geht der Kontakt zum wirklichen Selbst verloren. Man weiß nicht mehr, was man empfunden hätte, wenn man sich nicht so sehr bemüht hätte, anders zu empfinden. Ein ständiges Management von tabubesetzten Gefühlen kann zu einer negativen Einstellung gegenüber den Menschen führen, denen ursprünglich empathisch alle Aufmerksamkeit gewidmet war. Diese werden dann als ein Konglomerat von Arbeit, Problemen und Belastungen gesehen. Es kommt zum Burnout samt selbst schädigenden Kompensationsmechanismen. So kann Aggression in Autoaggression umschlagen. Die Beiträge in diesem Heft thematisieren, wie man mit Gefühlen umgehen kann. Eine Supervision etwa hilft, emotionale Verwicklungen und Konflikte aufzudecken, stellt sie in reale Zusammenhänge. Sich mit seinen Potenzialen, aber auch mit Ängsten und Belastungen ernst zu nehmen, kann ein wichtiger Schritt sein, Überforderungsgefühlen die Stirn zu bieten. Hebammen können lernen, ein Gleichgewicht zwischen eigenen Bedürfnissen und denen der anderen zu finden. Eine gesunde Form der Empathie ist nicht nur für die Eltern und ihr Kind, sondern vor allem für die Hebamme selbst heilsam und bereichernd.

Entlastend ist auch ein gutmütiger und heiterer Humor, der zum Leitbild eines ganzen Teams gehört. Er entspannt eine emotional geladene Atmosphäre. Iren Bischofberger schreibt in diesem Heft über humorcare (humorvolle Pflege), dieses neue Schlagwort der Pflegewissenschaft, das in der Geburtshilfe als lernbare Strategie noch zu selten gefördert wird. Sie erläutert, wie man mit Sinn für Komik Gefühle ausbalancieren kann. Sigmund Freud schrieb: „Wo störende Affekte, wie Mitleid, Schmerz und Ekel, ausgeblendet werden, dort ist Humor.” Der ersparte Gefühlsaufwand fließe im Lachen ab und erzeuge Lust. Humor darf natürlich nicht ohne Empathie stattfinden. Gern denke ich dabei an Schwester Maria, die ich vor 20 Jahren im Kreißsaal kennengelernt habe. Die Hebamme hatte ein warmes Herz, war gerade heraus, voller Kraft und Humor. Ich glaube, dass ihr Innen und Außen sehr oft übereinstimmten.