Frauen, die während ihrer Schulzeit Übergewicht oder Adipositas hatten, bleiben im Erwachsenenalter häufiger kinderlos. Foto: © iStock.com/Tamer ALKIS
Frauen, die während ihrer Schulzeit Übergewicht oder Adipositas hatten, bleiben im Erwachsenenalter häufiger kinderlos. Das Risiko steigt einer Analyse mit dänischen Registerdaten zufolge mit zunehmendem Alter der Frauen an.
In Europa bekommen viele Frauen ihr erstes Kind erst nach dem 30. Lebensjahr. In diesem Alter nimmt die Fruchtbarkeit bereits ab. Ein bekannter Risikofaktor dafür ist Adipositas. Zugleich haben immer mehr Frauen bereits im Kindes- oder Jugendalter Übergewicht oder Adipositas.
Ein Team um Jennifer Baker von der Universität Kopenhagen hat nun untersucht, wie sich Übergewicht und Adipositas im Kindes- und Jugendalter auf die spätere Fertilität auswirken. Dafür konnten die Forschenden auf Daten der »Skolesundhedspleje«, zu Deutsch Schulgesundheitsfürsorge, zurückgreifen.
In Dänemark werden Schülerinnen und Schüler von der Einschulung bis zur 9. Klasse regelmäßig auf ihren Gesundheitszustand untersucht. Bei jedem Check-up werden unter anderem Körpergröße und Gewicht erfasst.
Ungewollt kinderlos
Die Forschenden verglichen die Gewichtsentwicklung von 60.864 Schülerinnen mit der späteren Mutterschaft. Insgesamt 47.669 Frauen bekamen später ein oder mehrere Kinder, das erste im Durchschnittsalter von 27 Jahren. Die übrigen 13.195 Frauen (22 %) blieben kinderlos – die meisten davon vermutlich ungewollt. Umfragen haben ergeben, dass nur etwa 5 % aller Frauen keinen Kinderwunsch haben.
In der Studienpopulation hatten 12 % der Frauen Übergewicht und weitere 4 % Adipositas. Es handelte sich um die Geburtsjahrgänge 1950-89. Heute liegt der Anteil der betroffenen Kinder und Jugendlichen bereits bei etwa einem Drittel.
Die Analyse zeigte, dass Gewichtsprobleme im Kindes- und Jugendalter mit einer späteren Kinderlosigkeit assoziiert waren. Dabei nahm das Risiko mit steigendem Alter zu. Bei Frauen im Alter von 25-29 Jahren ließ sich eine um 22 % geringere Wahrscheinlichkeit einer Mutterschaft feststellen, wenn sie im Kindes- und Jugendalter Adipositas hatten (Hazard Ratio [HR] 0,78; 95-%-Konfidenzintervall [0,72; 0,86]). Übergewicht verringerte die Rate um 9 % (HR 0,91 [0,86; 0,96]).
Reproduktive Gesundheit beginnt früh
In der Altersgruppe von 30-34 Jahren sank die Wahrscheinlichkeit, Kinder zu bekommen, bei Frauen mit früherer Adipositas um 42 % (HR 0,56 [0,46; 0,67]). Bei Übergewicht war die Mutterschaft um 26 % (HR 0,74 [0,69; 0,79]) vermindert assoziiert. Für Frauen im Alter von 35-45 Jahren lagen die entsprechenden Angaben bei 44 % (HR 0,56 [0,46; 0,67]) und 18 % HR 0,82 [0,73; 0,91]).
»Unsere Ergebnisse unterstreichen, dass die reproduktive Gesundheit von Frauen bereits viele Jahre vor dem Wunsch nach einer Schwangerschaft berücksichtigt werden muss«, schreiben die Forschenden. Die Ergebnisse legten nahe, dass die Kindheit eine wichtige Phase sein könnte, um die spätere reproduktive Gesundheit von Frauen zu fördern.
Die Studie kann den Zusammenhang letztlich nicht beweisen. Bekannt ist jedoch, dass Adipositas negative Auswirkungen auf die Hypothalamus-Hypophysen-Eierstock-Achse hat und darunter die Qualität der Eizellen und des Endometriums leidet. Hinzu kommt, dass die meisten Frauen, die im Kindes- und Jugendalter adipös sind, auch im Erwachsenenalter adipös bleiben.
Quelle: Pedersen DC, Aarestrup J, Bjerregaard LG, et al. Early Life BMI Trajectories and Associations With Childbirth and Infertility Among Women. JAMA Netw Open. 2026;9(8):e2626893. doi:10.1001/jamanetworkopen.2026.26893 ∙ Deutsches Ärzteblatt, 31.8.2026 ∙ DHZ
