In höheren Positionen und mit steigendem Einkommen wird das Lohngefälle für Frauen und Männer im Gesundheitswesen immer größer. Foto: © Greg Brave/stock.adobe.com

In der Europäischen Region der Weltgesundheitsorganisation (WHO) machen Frauen fast 77 % der Beschäftigten im Gesundheits- und Pflegewesen aus, verdienen jedoch durchschnittlich 19 % weniger pro Stunde und 28 % weniger pro Monat als ihre männlichen Kollegen. Das geht aus einem neuen Bericht von WHO/Europa hervor, der Daten aus 43 Ländern umfasst.

Die Lücke wächst mit dem Einkommen

Das Lohngefälle vergrößert sich mit steigendem Einkommen deutlich: Am unteren Ende der Gehaltsskala verdienen Frauen pro Stunde etwa 2 % weniger als Männer, am oberen fast 23 %. Dabei müssten Frauen theoretisch aufgrund ihrer Qualifikationen und ihrer Berufserfahrung in den bestbezahlten Positionen etwas mehr verdienen als Männer.

Je höher in bestimmten Berufsgruppen der Frauenanteil ist, desto geringer ist laut dem Bericht in der Regel die Bezahlung – unabhängig von den dafür erforderlichen Qualifikationen oder den Zuständigkeiten.

Arbeit von Frauen wird unterbewertet

»Dieser Unterschied ist zum größten Teil nicht darauf zurückzuführen, dass Frauen weniger Stunden arbeiten, jünger sind oder in anderen Bereichen der Branche tätig sind«, erklärte Azzopardi Muscat, Direktorin der Abteilung Gesundheitssysteme von WHO/Europa. »Vielmehr ist er Ausdruck dessen, wie die Branche die Arbeit von Frauen wertschätzt. Alter, Bildungsstand, Arbeitszeiten sowie die Beschäftigung im öffentlichen oder privaten Sektor erklären nur einen Teil davon.«

Dies deute auch auf ein klares Muster der Unterbewertung hin: Je mehr ein Beruf im Gesundheits- und Pflegewesen überwiegend von Frauen ausgeübt wird, desto geringer ist in der Regel die Bezahlung, selbst im Vergleich zu ähnlichen Tätigkeiten in anderen Branchen.

Appell an die Mitgliedsstaaten

Das Gesundheits- und Pflegewesen ist der viertgrößte Arbeitgeber in der Europäischen Region und beschäftigt fast 17 % aller erwerbstätigen Frauen, während der Anteil der Männer 5 % beträgt. Lohngleichheit in einer Branche dieser Größe hat Auswirkungen auf die Personalgewinnung und -bindung sowie auf die Zahl der Frauen in Führungspositionen – mit Folgewirkungen für die Gesundheitssysteme, die auf sie angewiesen sind.

Deshalb richtet die WHO/Europa fünf konkrete Forderungen die Mitgliedstaaten:

  • Obligatorische Berichterstattung über den Gender Pay Gap
  • Schließen der Datenlücken
  • Stärkung der Gesetze zur Lohngleichheit
  • Beseitigung der strukturellen Hindernisse
  • Höhere Wertschätzung der Arbeit im Gesundheits- und Pflegewesen an sich.

»Das Problem lässt sich ganz einfach lösen, es ist nur eine Frage des Willens«, sagte Azzopardi Muscat. »Jeder Mitgliedstaat in dieser Region kann noch heute damit anfangen.«

Quelle: World Health Organization. Regional Office for Europe (2026). Gender pay gap in the health and care sector in the WHO European Region: evidence brief. World Health Organization. Regional Office for Europe. https://iris.who.int/handle/10665/387441. Lizenz: CC BY-NC-SA 3.0 IGO · WHO, 18.9.2026 · DHZ