Elisabeth Niederstucke verabschiedet sich nach 25 Jahren Redaktionsleitung von der DHZ: »Es ist nicht egal, wie wir geboren werden – und auch nicht, wie wir am Ende gehen.« Foto: © DHZ
Wie wichtig es ist, als Frau frei wählen zu können, ist mir in den vergangenen 25 Jahren, in denen ich für die DHZ tätig bin, immer klarer geworden. Weil es immer noch nicht selbstverständlich ist, dass Frauen entscheiden können. Und dies betrifft sogar so etwas Fundamentales wie die Frage, wo und wie sie ihre Kinder zur Welt bringen.
In Ländern des globalen Südens sind viele Frauen gezwungen, ihre Kinder ohne professionelle Unterstützung zu Hause zu gebären. Sie haben oftmals nicht die Wahl, eine gut ausgebildete Hebamme an ihrer Seite zu haben oder bei Komplikationen eine nahe gelegene Klinik aufsuchen zu können. Eine hohe perinatale Sterblichkeit bei Müttern und Kindern ist die Folge.
Doch auch in Industrieländern ist die freie Wahl des Geburtsortes in Gefahr. Dies liegt nicht nur daran, dass ganze Landstriche auch in Deutschland geburtshilflich nicht ausreichend versorgt sind, weil eine gut erreichbare Klinik fehlt oder weil es zu wenige Hebammen für eine Geburt zu Hause oder im Geburtshaus gibt. Zunehmend geht es auch um politische und gesellschaftliche Kräfte, die die freie Wahl des Geburtsortes in Frage stellen – und ein fundamentales Frauenrecht zu beschneiden drohen.
In unserer Patchworkfamilie sind zwei Kinder im Geburtshaus geboren, zwei in der Klinik und das jüngste zu Hause. Immer waren es frei gewählte Orte. Wenn Mütter die Wahl haben und mit ihren Partner:innen den für sie richtigen Geburtsort aussuchen können, wird dieser tendenziell auch ein sichererer Ort sein. Hierzulande bietet jeder Geburtsort eine große Sicherheit, dass Mutter und Kind – und am Ende eine ganze Familie – gesund daraus hervorgehen. Und das sogar, wenn eine Überleitung notwendig wird und diese geplant und in Ruhe geschehen kann. Das belegen die Daten der Gesellschaft für Qualität in der außerklinischen Geburtshilfe.
Was ich nun mitnehme, wenn ich mich mit der Dezemberausgabe, die Katja Baumgarten für das Titelthema Hausgeburt so umfassend begleitet hat, von der DHZ verabschiede, ist vor allem dies: Wenn Frauen die Wahl haben und gut informiert sind, erleben sie sich als kohärent und selbstwirksam. Sie können nicht nur gestärkt in die Geburt, sondern auch aus ihr hervorgehen.
Mein neues Tätigkeitsfeld wird sich nun mit dem Ende des Lebens beschäftigen. Dort ist die freie Wahl des Ortes und der Begleitenden ebenso wichtig. Es ist nicht egal, wie wir geboren werden – und auch nicht, wie wir am Ende gehen. Ihnen, liebe Leser:innen, wünsche ich weiterhin viel Freude und Inspiration beim Lesen Ihrer DHZ – und frohe Weihnachtstage und einen glücklichen Jahreswechsel!
