Carolin Steinweger, Volontärin, und Alessandra M Scheede, Redakteurin der DHZ: »Hebammen können einen entscheidenden Unterschied machen – durch Wissen, Haltung und Beziehung.« Foto: © Katharina Scholz

Drogenkonsum und Suchterkrankungen in Schwangerschaft und Stillzeit sind Themen, über die selten offen gesprochen wird – und wenn doch, dann häufig urteilend. Gleichzeitig begegnen sie Hebammen in der Praxis immer wieder: leise, komplex und oft verborgen hinter Scham, Angst und Stigmatisierung.

Drogen und Sucht im Rahmen der Hebammenarbeit zu thematisieren, ist uns ein wichtiges Anliegen. Etwa jedes dritte Kind in Deutschland lebt mit mindestens einem suchtbelasteten Elternteil. Und eine der häufigsten angeborenen Krankheiten ist die Fetale Alkohol­spektrumstörung. Alkohol- und Drogenkonsum in der Schwanger­schaft und Stillzeit ist aus ethischen Gründen zwar wenig erforscht, die Auswirkungen auf Mutter und Kind können aber massiv sein. Auch Cannabis, das zunehmend einen besseren Ruf genießt, ist nicht ungefährlich.

Eine anonyme Online-Befragung aus dem Jahr 2019 ergab, dass 13 % der Befragten während der Schwangerschaft Substanzen konsumierten. Auch wenn das in der Öffentlichkeit kaum zur Sprache kommt, zeigen die Zahlen, dass nahezu jede praktizierende Hebamme in ihrer Laufbahn mit dem Thema Drogenkonsum konfrontiert wird.

Wie können Hebammen betroffene Familien begleiten, unterstützen und schützen – ohne zu verurteilen? Diese Frage lässt sich nicht mit einer einfachen Antwort klären. Sie verlangt Wissen, Haltung und interdisziplinäre Zusammenarbeit.

Anknüpfungspunkte für eine gemeinsame Arbeit können beispielsweise Suchtberatungsstellen sein. Da von Sucht betroffene Schwangere oft auch psychosozial belastet sind, ist eine zeitnahe Kontaktaufnahme mit den Frühen Hilfen und einer Familienhebamme besonders wertvoll.

Mit dieser Ausgabe möchten wir sensibilisieren. Nicht moralisieren, sondern informieren. Und vor allem Mut machen: Hebammen können einen entscheidenden Unterschied bewirken. Denn hinter jeder Suchterkrankung steht ein Mensch. Und hinter jeder Betreuungs­situation eine Chance auf Unterstützung, Schutz und Veränderung.

Zitiervorlage
Steinweger, C. & Scheede, A. M. (2026). Informieren statt moralisieren. Deutsche Hebammen Zeitschrift, 78 (2), 1.