Die leitende Hebamme Monika Arndt rät zu regelmäßigen Schulungen, klaren Strategien und zu einem ruhigen Vorgehen, um Risiken besser einschätzen und Komplikationen im Kreißsaal besser bewältigen zu können. Angesichts der steigenden Zahl kontrovers beurteilter invasiver Interventionen während der Geburt wünscht sich die Hebamme und Gesundheitswissenschaftlerin Dr. Clarissa Schwarz im deutschen Versorgungssystem außerdem mehr evidenzbasierte Leitlinien. Die neueste ist die Leitlinie „Diagnostik und Therapie peripartaler Blutungen“. Federführend war dabei Prof. Dr. Werner Rath, der derzeit Geburtshilfe an der Medizinischen Fakultät Aachen lehrt. Er möchte mit der Leitlinie die mütterliche Morbidität und Mortalität weiter senken, für die ein zu hoher Blutverlust die Hauptursache ist. Im März 2006 befassten wir uns in der DHZ schon einmal mit dem Thema peripartale Blutungen. Auf die damalige Frage nach einer Leitlinie antwortete Prof. Dr. Klaus Vetter, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, dass im Einzelfall zu viele Variablen auftreten würden, um sie in ein Schema pressen zu können. Doch für viele wird nun die Standardisierung eine wertvolle Orientierung bieten. Prof. Dr. Rath selbst stellt sie in diesem Heft vor.
Die Komplikation Blutung tritt häufiger nach vorausgegangener Sectio auf – wie auch der Geburtsstillstand. Dieser zieht nicht selten eine vaginal-operative Geburtsbeendigung nach sich. Empfehlungen zur Geburtsleitung bei „Zustand nach Sectio“ gibt Dr. Frank C.-K. Chen von der Berliner Charité. Dr. Sven Hildebrandt vermittelt Basiswissen zur Durchführung von Forzeps und Vakuum. Obwohl letztere nicht zu ihrem Kompetenzbereich gehören, sollten Hebammen über umfassende Kenntnisse verfügen – allein schon, weil sie an den Entscheidungsprozessen im Kreißsaal mitwirken. Auf der Suche nach möglichst inspirierenden neuen Informationen rund um das Thema machte mich ein neues Geburtsgel neugierig, das angeblich viele komplizierte Geburtsverläufe verhindern soll. Was der Hersteller sich davon verspricht, erscheint mir etwas überzogen. Dennoch ist der Grundgedanke, mitunter die Gleitfähigkeit des Geburtskanals zu verbessern, gut. Auch Liselotte Kuntner, Verfechterin der aufrechten Geburt, ist davon überzeugt. Wir haben eine Klinik gebeten, das Gel zu testen. Über die Ergebnisse werden wir noch berichten. Auch ein ausführliches Interview mit dem Gel-Erfinder folgt.
In der jetzigen Folge der Serie Raum & Design geht es um die Gestaltung des Geburtszentrums „La Margherita“ vom Universitätskrankenhaus in Florenz. Der Initiator Dr. Marco Santini hatte den Traum von einem Gebäudeprojekt, das sein „Konzept der normalen Geburt“ erleichtert. Der italienische Geburtshelfer wollte damit der standardmäßigen Überversorgung von Low-risk-Schwangeren, wie sie Dr. Clarissa Schwarz beschreibt, entgegenwirken. Entstanden ist ein Ort, an dem Frauen in Ruhe gebären können.
