Stephanie Joedicke, leitende Redakteurin der DHZ: »Vielleicht ist es gerade diese Mischung aus Beweglichkeit und Verlässlichkeit, die das Berufsbild der Hebamme so besonders macht.«

Zu den besonderen Momenten eines Neubeginns gehört es, innehalten und zugleich nach vorn schauen zu dürfen. Für mich ist dies ein solcher Moment: Mit dieser Ausgabe übernehme ich die Leitung der Deutschen Hebammen Zeitschrift – mitten in einer Zeit, in der vieles in Bewegung ist. Die Diskussionen rund um den Hebammenhilfevertrag beschäftigen viele von Ihnen, und das mit gutem Grund. Veränderungen, vor allem solche mit unmittelbaren Auswirkungen auf die tägliche Arbeit, erzeugen Spannung, manchmal auch Unruhe.

Doch Aufbruch bedeutet nicht nur Unsicherheit – er bedeutet auch Möglichkeit. Vielleicht ist es deshalb ein Satz von Charlie Chaplin, der mich in diesen Wochen begleitet: »An den Scheidewegen des Lebens stehen keine Wegweiser.« Ein überraschendes Zitat für einen Künstler, den wir vorrangig mit Humor verbinden, und gerade deshalb berührt es mich. Denn es erinnert uns daran, dass Orientierung oft nicht von außen kommt, sondern aus der eigenen professionellen Haltung, dem Austausch im Team und der Erfahrung, die jede von Ihnen täglich einbringt.

In Gesprächen mit Hebammen aus unterschiedlichen Arbeitsfeldern spüre ich immer wieder dieselbe Mischung aus Pragmatismus und Leidenschaft: Sie verfolgen Veränderungen aufmerksam, hinterfragen sie kritisch und gestalten gleichzeitig Lösungen, die den Familien unmittelbar zugutekommen. Vielleicht ist es gerade diese Mischung aus Beweglichkeit und Verlässlichkeit, die das Berufsbild so besonders macht.

Ein gutes Beispiel dafür ist das Titelthema dieser Ausgabe: die Geburtseinleitung. Denn sie macht deutlich, wie wichtig differenziertes Wissen und eine klare Haltung sind. Indikationen verändern sich, Evidenz wird neu bewertet und zugleich bleibt der Kern der Hebammenarbeit bestehen: Frauen individuell zu begleiten, ihre Bedürfnisse wahrzunehmen und Geburt – auch unter besonderen Umständen – als selbstbestimmten Prozess zu unterstützen.

Darum finden Sie in dieser Ausgabe sowohl fundierte Einordnungen als auch Perspektiven aus der Praxis, die zeigen, wie vielfältig verantwortungsvolle Entscheidungswege aussehen können. Als Redaktion verstehen wir es als unseren Kernauftrag, eine verlässliche Plattform zu bieten, auf der fachliche Orientierung, gut recherchierte Inhalte und Stimmen aus der Praxis zusammen­kommen. Ich freue mich darauf, gemeinsam mit Ihnen diese Aufgabe weiterzuführen: aufmerksam, offen und mit einer Prise Gelassenheit.

Zum Jahresbeginn wünsche ich Ihnen Zuversicht, Kraft und viele gute Momente – für Ihre Arbeit und für Sie persönlich. Möge 2026 ein Jahr werden, in dem wir gemeinsam Orientierung finden und Chancen nutzen.

Zitiervorlage
Joedicke, S. (2026). Scheidewege und Neuanfang. Deutsche Hebammen Zeitschrift, 78 (1), 1.