Das Teilen von Muttermilch mit anderen Frauen – als selbstloses Geschenk oder gegen eine Vergütung – ist kein neues Phänomen, sondern vermutlich so alt wie das Stillen an sich. Anforderungen an den Beruf der Frauenmilchspenderin sind schon circa 1800 vor Christus im Kodex von Hammurabi festgehalten worden. In Waisenhäusern des 18. Jahrhunderts wurden sorgfältig ausgewählte Ammen eingestellt, deren Lebensstil und Ernährung kontrolliert wurden. Noch bis ins 20. Jahrhundert hinein gab es auch hierzulande den Beruf der Amme.

Im Zeitalter der evidenzbasierten Medizin ist nun endlich auch wissenschaftlich erwiesen, dass Muttermilch für Neu- und Frühgeborene die optimale Ernährung darstellt. Doch was ist, wenn Stillen nicht möglich oder nur unzureichend Milch vorhanden ist? Der dringende Wunsch der Mütter, ihr Kind zu stillen, und die in der Gesellschaft teilweise aggressiv vertretene Haltung des unbedingten Stillens bringt die Nachfrage nach fremder Milch hervor.

So ist es nicht verwunderlich, dass – wie es kürzlich durch die Presse ging – das Teilen von Muttermilch über moderne Medien wie Internet und populäre Portale wie Facebook zunehmend weltweite Verbreitung findet. Doch – obwohl es derzeit so erscheint – auch dieser Gedanke ist nicht neu. Bereits 2005 wurde in einem Beitrag von Sara Schaefer Munoz im Wall Street Journal der Muttermilchverkauf via Internet kritisch diskutiert. In Stellungnahmen hierzu sprachen bereits damals die American Academy of Pediatrics und die La Leche Liga warnende Kommentare aus und rieten von dem Verfahren ab. Ist es in der heutigen Zeit, in der alles auf Sicherheit und Unbedenklichkeit geprüft wird, akzeptabel, Milch für das eigene Kind aus einer anonymen Quellen zu beziehen? Zum Vergleich: Würden Sie auch Blutkonserven aus dem Internet für sich selbst kaufen?

Eine Alternative könnten Frauenmilchbanken sein, die sichere, bakteriologisch getestete Milch von ausgewählten Spenderinnen bereitstellen. Die Milchspenderinnen werden, ähnlich wie Blutspender, definierten Screeningmethoden unterzogen. Bei der Auswahl der Spenderinnen werden neben Gesundheitszustand, Lebenswandel und Ernährungsgewohnheiten auch serologische Untersuchungen zu übertragbaren Infektionserkrankungen wie beispielsweise HIV, Hepatitis B und C oder Syphilis berücksichtigt. In Deutschland gibt es derzeit – als Relikt aus DDRZeiten – in zehn größeren Städten Ostdeutschlands sowie neuerdings auch in München Muttermilchbanken: in Chemnitz, Cottbus, Dresden, Eisenach, Görlitz, Greifswald, Jena, Leipzig, Neubrandenburg, München und Potsdam. Aufgrund der nicht flächendeckenden Verbreitung wird diese Milch derzeit allerdings nur an Frühgeborene und kranke Neugeborene in Kliniken abgegeben. Die Ernährung mit Frauenmilch leistet vor allem bei Frühgeborenen einen wichtigen Beitrag zum gesunden Überleben. Eine Frauenmilchbank in jeder Klinik zu etablieren, in der Frühgeborene betreut werden, wäre wünschenswert. Die Bereitstellung gespendeter Muttermilch aus Frauenmilchbanken für alle Neugeborenen und Säuglinge, deren Mütter sie nicht selbst stillen können, ist jedoch derzeit und wahrscheinlich auch in naher Zukunft nicht realisierbar.

Daher ist es unbedingt erforderlich, Müttern die optimale Unterstützung und Anleitung zum Stillen von Beginn an zu geben, damit ihr Wunsch nach Ernährung des Babys mit Muttermilch erfüllt werden kann.