Bund freiberuflicher Hebammen Deutschlands e.V. (BfHD)
Der BfHD vertritt die Interessen von Hebammen, die ausschließlich freiberuflich tätig sind. Unsere Mitgliedsfrauen bieten alle Facetten der Hebammenarbeit an. Das umfasst auch die außerklinische Geburtshilfe in hebammengeleiteten Einrichtungen und zu Hause sowie klinische Geburtshilfe als Beleghebamme in der Eins-zu-eins-Betreuung.
In politischer Hinsicht bleibt die Lage der freiberuflichen Hebammen bei Fortbestand des bisherigen Systems in der Berufshaftpflichtversicherung außerordentlich prekär. Die Situation hat sich durch keine der rein kosmetisch anmutenden Maßnahmen der Bundesregierung grundlegend verbessert. Der Versicherungsmarkt für die Berufshaftpflichtversicherung mit Geburtshilfe existiert nicht mehr beziehungsweise nur noch auf Zuruf „von oben”, und auch die Versicherungsprämien für Hebammen ohne Geburtshilfe steigen unverhältnismäßig. Eine anderweitige Regulierung dieses Problems ist nicht in Sicht und politisch offenbar nicht gewollt, weil dies Auswirkungen auf das gesamte Gesundheitssystem haben würde. An dieser Stelle fehlt es am Willen zum Systemwechsel.
In dieser besorgniserregenden Situation trägt zur Beunruhigung der Hebammen wie auch der betreuten Familien in großem Maße bei, dass die Bestrebungen immer stärker werden, Schwangerschaft und Geburt unter dem Schutzmäntelchen angeblicher – jedoch meist nicht nachgewiesener – größerer Sicherheit für Mutter und Kind immer mehr zu reglementieren und in geburtsmedizinische Schablonen zu pressen. Der aktuelle Streit um die Frage von Ausschlusskriterien für außerklinische Geburten ist exemplarisch und symbolisch. Wir sehen die Versuche, Frauen die Kompetenz zur Selbstbestimmung abzusprechen, auch aus frauenrechtlicher und frauenpolitischer Sicht als außerordentlich besorgniserregend an. Parallelen zur Situation in den 1960ern und 70ern sind offenkundig. Dagegen gehen wir an! Die Hebammenverbände haben dafür gesorgt, dass es dank der Erhebungen der Gesellschaft für Qualität in der außerklinischen Geburtshilfe (QUAG) belastbare Zahlen zur außerklinischen Geburt gibt, und wir werden dafür sorgen, dass diese Zahlen nicht weiter ignoriert werden.
Wir stellen in diesem Zusammenhang in der Politik beim Blick auf das Verständnis von der Versorgung Schwangerer, Gebärender und Wöchnerinnen fest, dass der Weg offenbar weg von der Betreuung im häuslichen Umfeld, weg von der wohnortnahen Versorgung und hin zur Zentralisierung in immer größeren Einrichtungen führen soll. Für die Qualität der Betreuung hat das zur Folge, dass die berechtigten individuellen Wünsche der Familien immer weniger Berücksichtigung finden können. Insbesondere in der Geburtshilfe sehen wir den Trend zur Sectio und zurück zur geplanten Geburt der 1960er und 1970er Jahre mit großer Sorge. „Es ist nicht egal, wie wir geboren werden” – an dieser Wahrheit des großen Geburtshelfers Michel Odent hat sich nichts geändert.
Die Folgen der gewaltigen beruflichen Unsicherheiten für den Hebammenstand sind unabsehbar und unübersehbar. In immer mehr ländlichen wie städtischen Gebieten ist die Versorgung mit Hebammenhilfe nicht mehr gewährleistet, weil Hebammen ihren Beruf aufgeben. Das gilt sowohl für die Betreuung von Schwangeren und Wöchnerinnen als auch für die außerklinische Geburtshilfe. Auch in den Kliniken herrscht vielerorts Hebammenmangel; Kliniken bieten übertarifliche Bezahlung und Sonderprämien an – ohne Erfolg. An Hebammenschulen und Hochschulen gehen die Bewerberzahlen extrem zurück.
Als Berufsverband erkennen wir diese Entwicklungen und können nicht umhin, das Ziel all dieser Bestrebungen in der Abschaffung der freiberuflichen Hebammen zu sehen. Das ist umso widersinniger, als finanzintensive Programme der Frühen Hilfen und der Familienpolitik unter Einbeziehung des guten Rufes der Hebammen in der Bevölkerung propagiert werden.
Wir sehen uns weiter in der Pflicht, auf die berufspolitische Situation und deren Auswirkungen überall und immer wieder hinzuweisen. Dies tun wir insbesondere in der Politik, wo auch nach Jahren der immer gleichen Lage das Wissen um die Situation nach wie vor unwillkommen und unvollkommen ist. Es ist nicht nachvollziehbar, dass klinische Geburtshilfe als das A und O propagiert, freiberufliche Hebammen aber als überflüssig apostrophiert werden – in einem Land, in dem ein Drittel aller Geburten mit freiberuflichen Beleghebammen stattfinden.
Der BfHD ist ein unabhängiger kleiner Berufsverband mit rund 1.000 Mitgliedern und überschaubaren finanziellen Mitteln. Wir sind darauf angewiesen, dass nicht nur wir unsere Stimme erheben, sondern ganz besonders die Frauen und Familien, deren Betreuung durch den zunehmenden Hebammenmangel immer schlechter wird und die ihre berechtigten Wünsche und Forderungen immer lauter an den maßgeblichen Stellen vortragen. Die Information und Aufklärung der Bevölkerung über normale Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett halten wir darum für essenziell. Dazu kann die wissenschaftliche Forschung in der Hebammenwissenschaft enorm beitragen, die wir deshalb unterstützen.
Langfristige Planungen sind in der akuten Situation für die einzelne freiberufliche Hebamme kaum noch möglich. Das gilt auch für ihren Berufsverband.
Ruth Pinno, 1. Vorsitzende des BfHD e.V.
Deutscher Fachverband für Hausgeburtshilfe (DFH)
Das derzeit wichtigste Ziel des Deutschen Fachverbandes für Hausgeburtshilfe (DFH) ist der Erhalt der Hebammentätigkeit mit seiner umfassenden Befugnis – auch in seiner Kernkompetenz, der Geburtshilfe – als autonomer, freier Heilberuf. Denn ohne das Angebot freier Hebammen in der Hausgeburtshilfe ist eine freie Wahl des Geburtsortes nicht zu realisieren. Und nur so kann die Forderung der Weltgesundheitsorganisation umgesetzt werden, dass eine gesunde Schwangere ohne erwartbare Komplikationen so nahe an ihrem Zuhause gebären können soll, wie sie das wünscht. Der konsequente Erhalt der Hausgeburtshilfe ist für alle Hebammen bedeutsam, da diese derzeit das Tätigkeitsfeld ist, in dem Hebammen ihre gesetzlich verankerten Kompetenzen am umfassendsten, kontinuierlichsten und eigenständigsten ausüben.
In den aktuellen turbulenten Zeiten brauchen frei arbeitende Hebammen ganz besonders den engagierten Schutz eines Verbandes, der ihre spezifische Situation in das Zentrum seiner Arbeit stellt. Der DFH setzt sich dafür ein, das gesellschaftliche Ansehen der Hebamme zu stärken und – neben der aktiven Unterstützung in Schadensfällen – seine Mitglieder wirksam vor Angriffen zu schützen, die bedingt sind durch eine unzureichende Einbindung insbesondere der freien Hebammen in das Gesundheitssystem.
Ein wichtiger Schritt dahin ist die Schärfung und Stärkung des Berufsbildes der Hebamme, insbesondere im Hinblick auf die Geburtshilfe, und ihre Abgrenzung zur ärztlichen Tätigkeit, der Geburtsmedizin und -chirurgie. Diese Position bringt der DFH regelmäßig unter anderem bei Runden Tischen oder der Überarbeitung relevanter Gesetze ein.
Ein weiterer Baustein ist die Sicherstellung einer hohen Qualität durch Aus- und Weiterbildungen auf höchstem Niveau und die Re-Integration des traditionellen geburtshilflichen Wissens und der handwerklichen Aspekte in die Hebammenarbeit. Um dies schon jetzt umzusetzen, bietet der DFH nach definierten Qualitätskriterien zertifizierte Fortbildungen in den Kernbereichen der Hebammentätigkeit an. Auf der politischen Ebene fordert der DFH die Mitarbeit im Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA), der festlegt, welche Leistungen von der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) erstattet werden und auch die Mutterschaftsrichtlinien erarbeitet. Ferner fordert der DFH die Mitarbeit im Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG). Zur Teilnahme an Qualitätssicherungsverfahren sind Hebammen gesetzlich verpflichtet, daher muss ihnen auch die Möglichkeit zur Mitgestaltung eingeräumt werden.
In den momentanen Bestrebungen zur Zentralisierung der Geburtshilfe unterliegt die Hausgeburtshilfe besonderen wirtschaftlichen Härten. Insbesondere in ländlichen Regionen können nicht beliebig viele Geburten akquiriert werden. Zudem mindern weite Wege die Arbeitsstunden, die abgerechnet werden können. Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist so fast unmöglich und für die in der Geburtshilfe verbleibenden Hebammen sind Vertretungen für die gesetzlich vorgeschriebene Fortbildung, Krankheit oder Urlaub kaum noch zu organisieren.
Die Umlage der Haftpflichterhöhungen auf die Vergütung pro Geburt hatte zur Folge, dass 80 Prozent der Hebammen in der Hausgeburtshilfe, die immerhin 50 Prozent aller Hausgeburten betreuen, ihre gestiegenen Kosten nicht kompensieren konnten. Deshalb fordert der DFH alle Beteiligten eindringlich dazu auf, über seinen Vorschlag einer Haftpflichtpauschale pro Geburt nachzudenken.
Eine wirtschaftlich kompetente und mit den Bedingungen in der Hausgeburtshilfe bestens vertraute Vertretung der Hebammen ist angesichts der sich seit Jahren zuspitzenden Lage unabdingbar. Der DFH fordert deshalb, seine Mitglieder auch in den Verhandlungen mit den Spitzenverbänden der Krankenkassen vertreten zu können.
Fachlichkeit, Ehrlichkeit, Respekt, Demokratie, Akzeptanz von Minderheiten und im Umgang miteinander sind die Werte, die der DFH nach innen und außen lebt und beständig weiterentwickeln wird. Dazu gehört Transparenz in allen Bereichen, die Möglichkeit der Mitglieder, in alle politischen Entscheidungen Einblick zu nehmen und sie aktiv mitzugestalten.
In all seinen Zielen ist der DFH dem Prinzip der Nachhaltigkeit verpflichtet. Eine Geburt, die allen Beteiligten in ihrem Wesen gerecht wird und sich gleichzeitig am Beginn des Lebens auf die Natur des Menschen verlässt, bietet mit ihrem Einsatz natürlicher, allen Menschen gegebenen Ressourcen die Basis eines an Nachhaltigkeit ausgerichteten Lebensweges.
Hebammen mit verschiedenen Tätigkeitsschwerpunkten haben unterschiedliche Bedürfnisse, die vertreten werden müssen. Der DFH hält fest an der Hoffnung, dass die Hebammenverbände eine gemeinsame Sprache entwickeln und sich ein positiver Dialog im Sinne einer menschengemäßen Geburtskultur entwickelt.
Cordula Brockmann, 2. Vorsitzende des DFH e.V.
Jetzt weiterlesen mit DHZ+
1,- Euro für 4 Wochen
- freier Zugriff auf alle DHZ+-Artikel auf staudeverlag.de/dhz
- inkl. aller ePaper-Ausgaben der DHZ und der Elterninfos
- Zugriff auf das DHZ-Archiv auf dhz.de
- jederzeit kündbar
