Großbritannien und die Niederlande haben bei knapp 200.000 Frauen um Entschuldigung gebeten, die ihre unehelich geborenen Kinder zur Adoption freigeben mussten.

Keir Starmer spricht für England und Wales

So wurden in England und Wales von 1949 bis 1976 mehr als 180.000 Babys unverheirateter Mütter zwangsweise zur Adoption freigegeben. Aufgrund der damaligen gesellschaftlichen Vorstellungen wurden die Frauen unter Druck gesetzt, ihre Kinder abzugeben. In den vergangenen Jahrzehnten machten viele betroffene Mütter ihre Erfahrungen öffentlich und berichteten etwa von Schamgefühlen, mit denen sie bis heute leben.

Premierminister Keir Starmer sprach von einem »Schandfleck in unserer Geschichte«. Es habe sich nicht um Einzelfälle gehandelt, sondern um systematische Praktiken der kommunalen Behörden. Laut britischen Medienberichten werden nun Forderungen nach Entschädigungszahlungen erwartet.

Die Niederlande kündigen Entschädigungen an

Die niederländische Regierung hat sich bei rund 15.000 Frauen entschuldigt, die zwischen 1956 und 1984 unter Druck ihre neugeborenen Babys zur Adoption freigeben mussten. Die zuständige Staatssekretärin für Justiz, Claudia van Bruggen, entschuldigte sich in Den Haag auch bei den Vätern und Kindern für die Rolle des Staates. Im vergangenen Jahr hatte eine Untersuchungskommission festgestellt, dass viele Frauen und Kinder durch diese Zwangsadoptionen dauerhafte Schäden erlitten hätten. Die jungen Frauen hätten keinerlei Mitspracherecht über die Zukunft ihres Kindes gehabt. Oft durften sie ihre Babys demnach nicht sehen – viele sahen sie nie wieder. Die Regierung kündigte nun Maßnahmen an, um die Frauen und die Kinder zu entschädigen.

Zuvor hatten sich bereits Regierungen anderer Länder für solche historischen Zwangsadoptionen entschuldigt, etwa Schottland und Australien.

Quelle: dpa, 2.7.2026 · DHZ