Illustration: © Melanie Garanin

Durch die Republik geht ein Aufschrei: Der Gesundheitsminister hat die Akademisierung der Hebammenausbildung ausgerufen. Akademisierung? Was ist das? So wird nun in den sozialen Medien diskutiert. Wir brauchen das nicht! Sind wir nicht mehr gut genug? Wir sind doch Handwerkerinnen, was sollen wir mit Büchern und Wissenschaft? War nicht sowieso früher alles besser?

Nun, erinnern wir uns. Vor ein paar hundert Jahren waren die Hebammen weise Frauen – so heißen sie heute noch im Französischen. Sie kannten ihre Kunst. Und sie wurden bekämpft, die weisen Frauen mit ihrem großen Wissen! Nein, sie durften nicht studieren, sie durften nicht wählen gehen, sie durften nicht viel verdienen, ein bisschen Essen als Gegenwert für den Beistand bei der Geburt war genug.

Seitdem hat sich viel verändert. Unsere Ausbildung dauert nicht mehr nur 6, auch nicht 12 oder 24 Monate. Seit 30 Jahren haben wir die »Dreijährige«. Was gab es damals für Sorgen: Sind wir »zweijährigen« Hebammen nicht mehr gut genug, was sollen wir mit einer dreijährigen Ausbildung?

Und dennoch: Seit mindestens 20 Jahren jammern die Hebammenschülerinnen kurz vor dem Examen: Ich weiß nicht genug, wie soll ich jemals eine gute Hebamme werden? Ich brauche mehr Zeit!
Jetzt sind wir so weit. Wir dürfen studieren, wir dürfen forschen. Wir haben uns genommen, was uns gehört: das Wissen und die Möglichkeit, es zu lehren, zu erweitern, es in die Praxis zu bringen. Wir haben mehr Zeit. Und wir lernen, kritisch zu sein und die Dinge zu hinterfragen.

Davon profitieren am Ende auch die Frauen und Kinder, die wir betreuen. – Eine gefährliche Entwicklung aus Sicht derer, die Frauen lieber an der Kandare halten möchten. Aber eine wunderbare Entwicklung für alle, die den Hebammenberuf wissend und weise ausfüllen und die Frau wieder in den Mittelpunkt stellen möchten.

Haben Sie keine Angst vor der Akademisierung. Genießen Sie mit Ihren jungen Kolleginnen unseren wachsenden Wissensschatz!

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