Illustration: © Birgit Heimbach
Als Hebamme sehe ich mich mit »Vulnerabilitäten« konfrontiert. Ganz intuitiv würde das für die Frauen und Paare gelten, welche durch Geschehnisse in der Vergangenheit oder eine Diagnose besondere Themen mit in die Betreuung bringen. Ergo: vulnerabel, verletzlich, verwundbar sind. Richtig?
Inwieweit diese Bezeichnungen im Einzelfall angemessen sind, sei hier offengelassen, dennoch möchte ich eine bemerkenswerte Beobachtung teilen: Heute braucht es offenbar keine spezifische »Besonderheit« mehr um als vulnerabel zu gelten – das »Frausein« reicht völlig aus. Genauer gesagt definiert selbst das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, dass Frauen zu den besonders vulnerablen Bevölkerungsgruppen zählen. Zusammen mit Kindern und Senior:innen landen dann alle in einem großen Vulnerabilitäts-Eintopf – dem Schwangere, Gebärende und Wöchnerinnen extra Würze verleihen.
Vielleicht bräuchte es – in Anlehnung an die bekannten »besonders fragil«-Aufkleber der Post – eine Art Hinweisetikett, um auf diesen vermeintlich kritischen Lebenszustand aufmerksam zu machen. Doch da hier letztlich alle Frauen gemeint sind und der Vulnerabilitätsbegriff sich bei näherer Betrachtung zunehmend erweitern lässt, bräuchte es vielleicht eher Kennzeichnungen, wenn man zur kleineren, nicht-vulnerablen Bevölkerungsgruppe zählt.
Woran störe ich mich also? Als Hebamme habe ich immer wieder mit Frauen und Familien zu tun, die tatsächlich besonderen Schutz brauchen oder schützenswert sind. Und selbstverständlich bringt jede Person ihre eigenen Themen mit in die Schwangerschaft und Geburt. Doch jenseits dessen frage ich mich, inwiefern das Konzept der »vulnerablen Frau« diese nicht nur »schützenswert«, sondern zugleich auch »schutzbedürftig« macht. In dieser Logik wird meine Aufgabe schnell klar: Ich hole den inneren Superheldenumhang und mein Retter-Syndrom raus und empfehle bildlich wie tatsächlich eine frühe PDA zum Schutz vor dem möglichen Trauma der Geburt.
Doch ich möchte hier mal etwas anderes versuchen: den vulnerablen Blick bewusst verlassen und mit Humor wie auch Empathie wieder an die Selbstermächtigung der Frauen glauben. Denn: Was passiert mit der vermeintlichen Vulnerabilität, wenn sich diese in Resilienz verwandelt?
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