Illustration: © Birgit Heimbach

Schuld ist ein bekanntes Frauenproblem. Seit dem Apfel und der Vertreibung aus dem Paradies sind ja Frauen – besonders Mütter – nicht nur generell Schuld an allem (außer dem Wetter). Sie müssen auch noch unter Schmerzen gebären – und wir Hebammen baden es mit aus. Aber wir haben über die Jahrtausende dazugelernt. Wir sind ganz gut darin geworden, jemanden zu finden, der noch mehr Schuld hat als wir. Nach dem Motto: Hätte uns nicht passieren können … Ein Dammriss? Der falsche Dammschutz. Lange Geburt? Mit der richtigen Vorbereitung wäre das nicht passiert, ob Akupunktur, Hypnose, Einlauf oder was auch immer.

Der kleine Bruder der Schuld ist die Rechthaberei. Wir wissen es besser. Und wir scheuen uns nicht, das auch zu sagen. Wenn es »unsere« Frauen betrifft, kritisieren wir deutlich die ärztlichen Einträge im Mutterpass: Nochmal Hb bestimmen, was hat er sich denn dabei gedacht? Oder: CTG, das macht man doch längst nicht mehr routinemäßig! Oder: Bestimmt ist der Wert falsch gemessen, das Kind ist doch gar nicht zu klein.

Aber auch die Kolleginnen kriegen ihr Fett weg: Johanniskrautöl auf die Brustwarzen? Besser wäre Traubenzucker, oder Laser, oder Kakaobutter. Zum Kühlen Quark verwenden? Nein, Kohl. Oder doch Retterspitz?

Da geht die Post ab, wenn die Schwangere oder Wöchnerin sich outet und erzählt, dass sie »das andere Rizinus-Rezept« angemischt hat – wie, nicht mit Sekt? Kein Wunder, dass das Kind nicht kam!

Eine ganz schöne Zwickmühle für die Frauen, wenn sie auf mehrere Fachpersonen angewiesen sind. Schwierig, Vertrauen aufzubauen. Manchmal hilft nur eine kreative Strategie, Konflikte zu umgehen: In einem Geburtshaus wurde bei einer anonymen Umfrage deutlich, dass fast alle Schwangeren mit der Betreuung sehr zufrieden waren – allerdings hatten die meisten den Hebammen ihre zusätzlichen Ultraschalluntersuchungen verschwiegen. Sie hatten keine Lust, sich die kritischen Sprüche der Hebammen anzuhören.

Zitiervorlage
Schwarz C: Schuld sind immer die anderen. DEUTSCHE HEBAMMEN ZEITSCHRIFT 2018. 70 (3): 120

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