Die Kolleginnen stöhnen. Sie sitzen an ihrem neuen Qualitätsmanagement-System und versuchen, ihre ganz normale Arbeit in diese Denkweise zu überführen. Zettel, Karteikarten, Checklisten. Die Prozessbeschreibung eines Wochenbettbesuchs. Was tue ich wann, in welcher Reihenfolge? Und vor allem: Warum? »Ich verstehe es einfach nicht«, ruft jetzt eine wütend und steht vom Tisch auf. »Ich finde, das ist Schikane. Mein Leben hat ohne QM wunderbar funktioniert. Und jetzt muss ich irgendwelche plan-do-check-act-Kreise malen.« Sie blickt empört in die Runde, die anderen nicken.
Da kommt eine weitere Kollegin herein. »Hallo«, sagt sie in die Runde, »jetzt konnte ich auch zu Hause endlich weg. Diese Teenager, nichts als Chaos. Gut, dass es QM gibt.« Die anderen schauen irritiert: Wieso QM? »Wisst ihr«, sagt sie, »ohne QM geht in meiner Familie gar nichts. Ich muss ihnen genau beschreiben, welche Arbeitsschritte zum Küche-Aufräumen gehören: Spülmaschine ausräumen, Arbeitsflächen abwischen, Müll rausbringen – das ist die Prozessqualität. Und wie es danach aussehen soll: aufgeräumt und sauber – das ist die Ergebnisqualität. Der Kühlschrank muss kontrolliert werden: Ist genug Milch für das Frühstück da? Da haben wir die Strukturqualität. Ja, und ohne Checkliste schicke ich sie nicht zum Supermarkt, sonst vergessen sie die Hälfte. Wie gesagt – ohne QM stürzt die Familie ins Chaos.«
Sie schauen sich an. Sie alle kennen diese Situation. Könnte es sein, dass sie schon längst QM-Königinnen sind, sie wussten es nur noch nicht?
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