llustration: © Birgit Heimbach
Auf dem Rückweg von einer anstrengenden Sitzung brauche ich Erholung fürs Gehirn – am besten etwas Belangloses. Was eignet sich da besser als Facebook? Niemand will was von mir. Was ich nicht wissen will, überlese ich. Da bleibt mein Blick an einer ungewöhnlichen Nachricht hängen: zehn Dinge, die im vergangenen Jahr gut gelaufen sind … Ja, wir sind alle so satt von den schlechten Nachrichten, die immer nur ein Gefühl der Ohnmacht und Wut erzeugen: Ein hoher Politiker baut Mist und wird zur Strafe befördert. Ein wundervoller Wald soll abgeholzt werden, um unnütze, giftige Braunkohle zu fördern.
Immer das Gleiche! Und wir können nicht wirklich etwas dagegen tun. Aber jetzt kommt diese Botschaft – zehn positive Dinge! Hier ist also etwas auf dem Weg der Besserung. Ein Problem wurde erkannt, eine Lösung gefunden. Und es funktioniert zum Beispiel so: Der Bestand der Schneeleoparden erholt sich. In Brasilien werden jede Menge Bäume gepflanzt. HIV ist nicht mehr tödlich – die Infektionsrate geht zurück. Die Korallenriffe können mit einem Trick gerettet werden.
Ich überlege. Wie sieht es mit der Geburtshilfe aus? Vielleicht können wir neben Kreißsaalschließungen, Überlastungsanzeigen, Personalnot und Burnout auch hier auf das »halbvolle Glas« schauen. Gibt es da Dinge, die gut gelaufen sind? Ja! Die Sectiorate steigt nicht weiter, sie geht in einigen Bundesländern sogar zurück. Dammschnitte werden immer weniger. Es entstehen immer mehr Studiengänge für Hebammen, die Bewerbungszahlen sind wunderbar. Die Fachgesellschaft der Hebammen hat sich etabliert und wirkt bei wichtigen Leitlinien mit. Die Statistik des Outcomes bei der außerklinischen Geburtshilfe ist hervorragend. Der Expertinnenstandard »Förderung der physiologischen Geburt« wird in immer mehr Kliniken implementiert. In vielen Städten entstehen Hebammenzentralen und Qualitätszirkel. Eine machtvolle Fraktion von Frauen, Mother Hood, schafft es, mit höchsten PolitikerInnen über gute Geburtshilfe zu sprechen und Forderungen zu stellen; sie ist Anwältin für Mütter und Hebammen. So laufen meine Gedanken immer weiter.
Ich halte inne – hat mal wieder nicht funktioniert, das Gehirn abzuschalten. Aber das Ergebnis macht gute Laune. Na, dann!
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