Ungewollt Schwangere sehen sich in Deutschland mit teils hohen Hürden konfrontiert. Auch die Versorgungslage ist in manchen Regionen Deutschlands lückenhaft, wie eine aktuelle Studie zeigt. Foto: © Manuel Schönfeld/stock.adobe.com

Aus der jüngsten ELSA-Studie geht hervor, dass vor allem Betroffene in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Bayern Probleme haben, Angebote zur Durchführung von Schwangerschaftsabbrüchen zu erreichen.

Laut Studie lebten insgesamt 4,5 Millionen Menschen in Deutschland in Gebieten, die mehr als 40 Minuten mit dem Auto von der nächsten Einrichtung für einen Schwangerschaftsabbruch entfernt sind. Das entspreche 5,4 % der gesamten Bevölkerung, schreiben die Forscher:innen.

Viele Landkreise mit schlecht erreichbaren Angeboten

Insgesamt stellten die Forscher:innen für 85 von 400 Landkreisen eine nicht ausreichende Erreichbarkeit von Einrichtungen fest. 43 davon befanden sich in Bayern sowie jeweils acht in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen.

»Die Ergebnisse zeigen, dass in einigen Regionen Deutschlands für einen Teil der Bevölkerung keine ausreichende Erreichbarkeit von Angeboten zum Schwangerschaftsabbruch gegeben ist«, schreiben die Autor:innen, darunter Wissenschaftler:innen der Hochschule Fulda und der Uni Leipzig.

Für das Forschungsprojekt mit dem Titel »Erfahrungen und Lebenslagen ungewollt Schwangerer – Angebote der Beratung und Versorgung (ELSA)« wurden 4.589 Frauen mit mindestens einem Kind unter sechs Jahren repräsentativ befragt. Auch offiziell verfügbare Daten, etwa die des Statistischen Bundesamts und Daten aus früheren Erhebungen, sind in die Studie eingeflossen.

Stigmatisierung laut Expert:innen ein großes Problem

Aus der Befragung von Frauen, die einen Schwangerschaftsabbruch hinter sich haben, geht hervor, dass sich 83,5 % von ihnen stigmatisiert fühlt. Diese Stigmatisierung habe »erhebliche Auswirkungen auf das psychische Wohlbefinden und den Zugang zur Versorgung von Frauen«, heißt es.

Neben den gesellschaftlichen Vorurteilen und der teils schwierigen Erreichbarkeit von Angeboten sehen sich ungewollt Schwangere laut Bericht auch mit weiteren Hürden konfrontiert – etwa mit hohen Kosten und zu wenig Informationen. Auch die Abschaffung des sogenannten Werbeverbots für Abtreibungen habe nicht dazu geführt, dass Ärzt:innen in ausreichendem Maße auf ihren Webseiten über den Eingriff informierten, halten die Forscher:innen fest.

Fehlende Kostenübernahme

Auch beim Thema Kostenübernahme weisen die Forscher:innen auf große Hürden hin. In Deutschland werden die Kosten eines Schwangerschaftsabbruchs nur in Ausnahmefällen – etwa nach einer Vergewaltigung oder bei medizinischer Indikation – von den Krankenkassen übernommen. Unter einer bestimmten Einkommensgrenze können die Kosten nach Antrag erstattet werden.

Bei Frauen, die den Abbruch selbst bezahlen müssen, variierten die Ausgaben dem Bericht zufolge erheblich zwischen 200 Euro und mehr als 600 Euro. Insgesamt seien knapp die Hälfte der befragten Frauen für die Kosten des Abbruchs selbst aufgekommen.

Die schwarz-rote Bundesregierung hat sich in ihrem Koalitionsvertrag vorgenommen, die Kostenübernahme bei Schwangerschaftsabbrüchen durch die Krankenkassen auszuweiten. Wie genau dies umgesetzt werden soll, ist noch unklar.

Forscher:innen empfehlen Entkriminalisierung

Aus Sicht der Autor:innen hängt die Stigmatisierung von Betroffenen und die Versorgung mit Angeboten auch eng mit der aktuellen Gesetzeslage zusammen. Sie betonen, dass der Schwangerschaftsabbruch im Strafgesetzbuch im Abschnitt »Straftaten gegen das Leben« und damit neben Mord und Totschlag angesiedelt sei. Diese rechtliche Verortung habe »direkte Auswirkungen auf den Zugang zur medizinischen Versorgung«, weil sie Sonderregelungen unterliege und rechtlich ungenügend abgesichert sei, heißt es.

Die aktuelle schwarz-rote Bundesregierung plant vorerst keine Liberalisierung des Rechts auf Schwangerschaftsabbruch.

Quelle: dpa, 13.8.2025 · DHZ