Frankreichs Grünenpolitikerin Tondelier fordert, sich nicht an der rückwärtsgewandten Politik der USA in Bezug auf Schwangerschaftsabbrüche und Verhütungsmittel zu beteiligen. Foto: © New Africa/stock.adobe.com
Frankreich hat die von den USA geplante Zerstörung von Verhütungsmitteln, die für Frauen in afrikanischen Ländern vorgesehen waren, scharf kritisiert. Das französische Außenministerium forderte, die Mittel stattdessen Bedürftigen zugänglich zu machen und erklärte: »Der Zugang zu sexueller und reproduktiver Gesundheit ist ein Menschenrecht – und eine Priorität unserer Außenpolitik.«
Laut einem Bericht des Guardian lagern derzeit Verhütungsmittel im Wert von über acht Millionen Euro – darunter Spiralen und Hormonimplantate – in Belgien. Sie sollen Ende Juli in einer Anlage in Frankreich vernichtet werden. Die USA begründen die Maßnahme mit dem Vorwurf, es handle sich um »abtreibende Verhütungsmittel«. Abtreibungsgegner:innen zählen dazu unter anderem Spiralen und die Pille danach.
Die Vernichtungspläne haben international Kritik ausgelöst. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen sprach von einem »rücksichtslosen und schädlichen Akt gegen Frauen und Mädchen weltweit.« Die Mittel würden frühestens 2027 ablaufen und ihre Zerstörung eine »sinnlose Verschwendung« – mit potenziell lebensbedrohlichen Folgen in Regionen mit eingeschränktem Zugang zu Gesundheitsversorgung.
Auch politische Stimmen in Frankreich fordern ein Eingreifen. Die Vorsitzende der Grünen, Marine Tondelier, rief Präsident Emmanuel Macron auf, die Aktion zu verhindern: Frankreich dürfe sich nicht an dieser rückwärtsgewandten Politik beteiligen. Sie erinnerte daran, dass Frankreich als erstes Land den Schutz des Schwangerschaftsabbruchs in die Verfassung aufgenommen habe.
Zuvor hatten Organisationen wie der Internationale Dachverband für Familienplanung (IPPF) versucht, die Mittel aufzukaufen, um sie unabhängig vom US-Logo weiterzugeben – offenbar erfolglos. Das belgische Außenministerium kündigte an, auf diplomatischem Weg eine Lösung zu finden.
Die Hintergründe liegen in der Politik der US-Regierung: Bereits unter Präsident Donald Trump wurden Programme zur Familienplanung massiv gekürzt, die Entwicklungsbehörde USAID wurde zum 1. Juli 2025 offiziell geschlossen.
Aktualisierung
Belgien versucht bereits, eine Vernichtung der Vorräte an Verhütungsmitteln zu verhindern, die in Geel in der Nähe von Antwerpen eingelagert sind, teilte das belgische Außenministerium mit. Sobald die US-Pläne bekannt wurden, habe der Staat diplomatische Schritte bei der US-Botschaft in Brüssel unternommen und prüfe Optionen, um die Vernichtung der Mittel zu verhindern – einschließlich Lösungen für eine vorübergehende Verlagerung. Den Berichten zufolge haben die Mittel teils Haltbarkeitsdaten bis 2031, wären also noch mehrere Jahre lang verwendbar.
Die französische Organisation »Planning Familial« sprach von einem Versuch der US-Regierung, der ganzen Welt einen Kurs aufzuzwingen, der die Rechte von Frauen beschneidet, über Zeitpunkt und Anzahl von Kindern selbst zu entscheiden und sich vor Geschlechtskrankheiten zu schützen.
Das französische Gesundheitsministerium erklärte, es habe keine Möglichkeit, die Bestände zu beschlagnahmen, da es sich bei Verhütungsmitteln nicht um Arzneimittel von hohem therapeutischen Interesse handele und es auch keine angespannte Versorgungslage gebe, berichtete die Zeitung «Le Parisien». Es gebe keine juristische Grundlage, einzugreifen. Wie das Ministerium weiter angab, habe es auch keine Informationen darüber, wo die Verhütungsmittel vernichtet werden sollen und ob dies in Frankreich sei. Nach Medienberichten soll dies in Fos-sur-Mer bei Marseille geschehen.
Quelle: Deutsches Ärzteblatt, 30.7.25/1.8.25 · DHZ
