Viele aktuelle Krisen scheinen der Grund für den Geburtenrückgang zu sein. Können höhere Investitionen in Elterngeld und Kinderbetreuung helfen? Abbildung: © Knut/stock.adobe.com

Die durchschnittliche Zahl der Kinder, die eine Frau in Deutschland zur Welt bringt, ist erneut gesunken. Die Geburtenrate betrug vergangenes Jahr 1,35, wie das Statistische Bundesamt mitteilt. Damit lag sie 2 % niedriger als im Vorjahr. Der Rückgang verlangsamte sich allerdings deutlich: In den Jahren 2022 und 2023 war die Geburtenrate noch um 8 beziehungsweise um 7 % zurückgegangen.

Ähnlich niedrige Werte gab es in Deutschland in den 1990er und 2000er Jahren. Dass sie danach zwischenzeitlich anstiegen, führt Martin Bujard, Forschungsdirektor beim Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung, auf hohe Investitionen in die Familienpolitik zurück, etwa in Elterngeld und Kinderbetreuung.

Die aktuellen Zahlen seien besorgniserregend. Der Rückgang liege an den multiplen Krisen, mit denen die Menschen konfrontiert seien: der Krieg in der Ukraine und die schlechte wirtschaftliche Entwicklung, aber auch die Klimakrise, die Inflation und das Erstarken des Rechtspopulismus.

Die Auswirkungen zeigten sich erst nach Jahrzehnten, zum Beispiel im derzeitigen Fachkräftemangel. Der Experte plädiert für mehr Investitionen in die Kinderbetreuung, die viele Eltern in den vergangenen Jahren als nicht mehr verlässlich erlebten.

Bundesländer im Vergleich

Die niedrigste Geburtenrate wurde vergangenes Jahr mit 1,21 für Berlin, die höchste mit 1,42 für Niedersachsen errechnet. In den östlichen Flächenländern lag die Rate mit 1,27 Kindern je Frau deutlich unter der in den westlichen Bundesländern mit 1,38 Kindern je Frau. Der Rückgang wurde in allen Ländern festgestellt: am stärksten in Thüringen mit einem Minus von 7 auf 1,24 % , am geringsten in Baden-Württemberg mit einem Minus von 1 auf 1,39 %.

Bei Frauen mit deutscher Staatsangehörigkeit betrug die Geburtenrate 1,23 Kinder – ein ähnlich niedriger Wert wurde zuletzt 1996 gemessen, als eine Frau im Schnitt 1,22 Kinder bekam. Bei Frauen mit ausländischer Staatsangehörigkeit lag die Geburtenrate bei 1,84 Kindern, das bedeutet ein Minus von 2 %.

Geburtenrückgang in Europa

Die bis 2023 vorliegenden Daten zeigten, dass die Rate in den meisten Staaten der Europäischen Union (EU) im Vorjahresvergleich weiter gesunken sei, erklärt das Bundesamt. Sie betrug für alle 27 EU-Staaten 2023 durchschnittlich 1,38 Kinder je Frau – zehn Jahre zuvor waren es noch 1,51 Kinder je Frau.

Deutschland lag 2023 im europäischen Durchschnitt. Am höchsten war die Rate in Bulgarien mit 1,81 Kindern je Frau, am niedrigsten in Malta mit 1,06 und Spanien mit 1,12 Kindern je Frau.

Der Kinderwunsch wird tendenziell immer weiter aufgeschoben: Das durchschnittliche Alter der Mütter bei der Geburt ihres ersten Kindes betrug 2024 in Deutschland 30,4 Jahre, die Väter waren im Schnitt 33,3 Jahre alt. 2015 waren Mütter im Durchschnitt 29,7 Jahre und Väter 32,8 Jahre alt.

Quelle: dpa, 17.7.25 · DHZ