Offene Gespräche über sexuelle Gesundheit sind selten – umso wichtiger ist die Aufklärung zum Schutz vor sexuell übertragbaren Infektionen. Foto: © Lustre Art Group/stock.adobe.com
Zum Welttag der sexuellen Gesundheit am 4. September hat das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) verbreitete Mythen über Safer Sex wissenschaftlich unter die Lupe genommen. Mit der Initiative »Liebesleben« informiert die ehemalige Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung über HIV und andere sexuell übertragbare Infektionen (STI), sexuelle und geschlechtliche Vielfalt.
Aufklärung tut Not
Wie wichtig Aufklärung und Prävention sind, zeigt eine repräsentative Befragung von 2023/2024: Zwar kennen 89 % der Befragten HIV/AIDS, 83 % Gonorrhö und 82 % Syphilis. Chlamydien sind jedoch nur für 60 % ein Begriff. 73 % der Menschen in festen Beziehungen haben vor dem ersten gemeinsamen Sex nicht über sexuell übertragbare Infektionen gesprochen. Gleichzeitig gehen 62 % derjenigen, die auf Kondome verzichten, davon aus, dass weder sie selbst noch ihr Gegenüber eine sexuell übertragbare Infektion haben. Doch der Schein kann trügen. Deshalb zählt ein Faktencheck zehn Mythen über Safer Sex auf:
Mythos 1: »Man sieht oder merkt, ob jemand eine sexuell übertragbare Infektion hat.«
Fakt: Weder das Aussehen noch der allgemeine Gesundheitszustand lassen erkennen, ob eine STI vorliegt. Denn viele Infektionen verursachen zumindest zeitweise keine auffälligen Beschwerden und können deshalb unbemerkt weitergegeben werden.
Mythos 2: »Safer Sex bedeutet immer Kondom.«
Fakt: Kondome sind nicht die einzige Schutzmöglichkeit. Zu Safer Sex gehören je nach Situation auch andere Möglichkeiten, wie etwa Impfungen, die HIV-Präexpositionsprophylaxe – kurz PrEP – und Lecktücher. Außerdem sind offene Gespräche über Schutz und sexuelle Gesundheit wichtig.
Mythos 3: »Man kann sich immer nur einmal anstecken.«
Fakt: Nur bei ganz wenigen STI, zum Beispiel bei Hepatitis B, ist man nach der ersten Erkrankung in der Regel immun und kann sich nicht mehr anstecken. Bei vielen anderen kann zu mehrfachen Infektionen kommen.
Mythos 4: »In einer festen Beziehung muss man sich keine Gedanken über sexuell übertragbare Infektionen machen.«
Fakt: Vertrauen ist wichtig, ersetzt aber keine gemeinsame, informierte Entscheidung.
Mythos 5: »Oralsex ist praktisch risikofrei.«
Fakt: Auch beim Oralverkehr können Gonorrhö, Syphilis, Herpes oder HPV übertragen werden. Das Risiko ist je nach Infektion und Sexualpraktik meist gering, aber nicht null.
Mythos 6: »Wenn ich keine Beschwerden habe, habe ich auch keine sexuell übertragbare Infektion.«
Fakt: Viele STI verlaufen zunächst ohne Symptome oder mit leichten Beschwerden. Ob eine Infektion vorliegt, kann häufig nur ein gezielter Test feststellen.
Mythos 7: »Syphilis spielt heute keine Rolle mehr.«
Fakt: Das Robert Koch-Institut meldete für 2024 bundesweit rund 9.500 Erkrankungen, ein neuer Höchststand. Syphilis kann unbehandelt schwere gesundheitliche Folgen haben, lässt sich jedoch mit Antibiotika behandeln und heilen.
Mythos 8: »Ein HIV-Test reicht aus.«
Fakt: Andere STI, wie Chlamydien, Gonorrhö oder Syphilis, werden nur mit eigenen Untersuchungen festgestellt. Ob und welche Tests sinnvoll sind, hängt von den Sexualkontakten ab.
Mythos 9: »Wer HIV hat, kann das Virus beim Sex immer übertragen.«
Fakt: Menschen mit HIV, die eine wirksame Therapie erhalten und deren Viruslast dauerhaft unter der Nachweisgrenze liegt, übertragen HIV beim Sex nicht. Dafür steht die Formel: nicht nachweisbar = nicht übertragbar (U = U).
Mythos 10: »Gegen HIV gibt es eine Impfung.«
Fakt: Bis heute gibt es keine zugelassene Impfung gegen HIV, gegen Mpox, Hepatitis A und B aber schon.
Informationen für Fachkräfte
Die Liebesleben-Studie ist eine deutschlandweite Repräsentativbefragung, die an die Studie »AIDS im öffentlichen Bewusstsein der Bundesrepublik Deutschland« anknüpft und sie erweitert, etwa zum Thema Vielfalt. Zum Angebot von Liebesleben gehören auch Social-Media-Aktivitäten, Telefon- und Onlineberatung sowie Informationsmaterialien für Fachkräfte.
Quelle: Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), 1.9.2026 · DHZ
