Eine Untersuchung der Weltgesundheitsorganisation ergibt: Wenn Menschen verhüten, fühlen sich viele beim Geschlechtsverkehr offenbar unzufrieden. Illustration: © Anastasiya Stoma/stock.adobe.com

Ob Kondom, Pille oder Spirale: Viele Menschen empfinden beim Sex unter Verhütung Unzufriedenheit. Jede zwanzigste Person verzichtet daher ganz auf Verhütungsmittel – selbst dann, wenn sie diese eigentlich bräuchte.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung der Weltgesundheitsorganisation (WHO), des UN-Programms für menschliche Reproduktion sowie der Initiative The Pleasure Project. Laut den Angaben wurden dafür 64 Studien mit insgesamt 125.000 Teilnehmenden ausgewertet.

Häufig geben Paare, die Verhütungsmethoden absetzen, an, dass diese den Sex verschlechtern: Sie berichten von nachlassender Lust, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr oder Sorgen um die Befriedigung des Partners.

Dieses Problem tritt unabhängig von der Art der Verhütung auf – egal ob hormonell oder nicht-hormonell. Laut WHO hat diese Entwicklung schwerwiegende Folgen: Das Risiko ungewollter Schwangerschaften steigt deutlich, ebenso die Gefahr der Verbreitung sexuell übertragbarer Krankheiten.

Die Organisation empfiehlt deshalb, offen über sexuelle Unzufriedenheit im Zusammenhang mit Verhütung zu sprechen. Fachkräfte im Gesundheitswesen sollten geschult werden, um auf die Bedürfnisse von Paaren besser eingehen zu können – etwa durch den Hinweis auf den Einsatz von Gleitmitteln. Zudem sollten Forschung und Produktentwicklung das sexuelle Wohlbefinden stärker in den Blick nehmen. Nach Einschätzung der WHO würden Verhütungsmittel dadurch eher akzeptiert.

Weltweit registriert die WHO jedes Jahr etwa 80 Millionen ungewollte Schwangerschaften. Prognosen zufolge ließe sich diese Zahl auf 26 Millionen senken, wenn der globale Bedarf an Verhütungsmitteln gedeckt wäre.

Darüber hinaus könnte die Müttersterblichkeit um 25 bis 35 % sinken. Mit »Barrieremethoden« wie Kondomen lassen sich zudem zahlreiche Infektionen wie HIV, Gonorrhoe, Chlamydien und Syphilis verhindern.

»Es ist wichtig für die Förderung der sexuellen und damit auch der allgemeinen Gesundheit, dass Verhütungsmethoden ein erfülltes und sicheres Sexualleben ermöglichen«, betont Lianne Gonsalves, WHO-Wissenschaftlerin im Bereich sexuelle Gesundheit.

Doch der Zugang zu modernen Verhütungsmethoden ist in vielen Regionen der Welt weiterhin eingeschränkt. Neben der Verfügbarkeit sei jedoch auch die Bedeutung sexueller Zufriedenheit ausschlaggebend – und dürfe nicht außer Acht gelassen werden.

Quelle: Deutsches Ärzteblatt, 26.9.2025 ∙ DHZ