In Deutschland erlebt fast jede sechste Person körperliche Gewalt in der Partnerschaft. Aber bisher werden die wenigsten Taten angezeigt. Foto: © melita/stock.adobe.com

Eine neue Bevölkerungsbefragung des Bundeskriminalamts (BKA) und des Bundesfrauenministeriums zeigt: Frauen, junge Menschen, Personen mit Migrationshintergrund und Menschen der queeren Community sind besonders oft von Gewalt betroffen.

Am 10. Februar wurde die Dunkelfeldstudie »Lebenssituation, Sicherheit und Belastung im Alltag (LeSuBiA)« vorgestellt. Im Unterschied zum sogenannten Hellfeld werden hier nicht nur die polizeibekannten angezeigten Taten betrachtet. Die geschlechterübergreifende Befragung zu Gewalt in Deutschland wurde von Juli 2023 bis Januar 2025 mit 15.000 Personen zwischen 16 und 85 Jahren durchgeführt. Die Ergebnisse sollen als verlässliche Grundlage für politische Entscheidungen, Präventionsmaßnahmen und Hilfsangebote dienen, um den Schutz aller Menschen zu verbessern und Unterschiede in der Gewaltbetroffenheit besser zu verstehen.

Nur wenige Taten werden angezeigt

Ein zentrales Ergebnis: Ein Großteil von Gewalterfahrungen in Deutschland wird nicht angezeigt. Die Anzeigequoten liegen bei den meisten Gewaltformen unter 10 %, bei psychischer und körperlicher Gewalt innerhalb von (Ex-)Partnerschaften sogar unter 5 %. Dabei sind Frauen häufiger und stärker von häuslicher oder geschlechtsspezifischer Gewalt betroffen als Männer, insbesondere bei sexuellen Übergriffen, sexueller Belästigung und Stalking.

Bundesfrauenministerin Karin Prien (CDU) mahnte: »Die Zahlen machen sichtbar, was lange im Verborgenen lag: Gewalt ist kein Randphänomen, sie betrifft Millionen Menschen in unserem Land. Fast jede sechste Person erlebt körperliche Gewalt in der Partnerschaft – und 19 von 20 Taten werden nicht angezeigt. Dieses Schweigen ist kein individuelles Versagen, sondern Ausdruck von Angst und offenbar fehlenden Zugängen zu Hilfe.« Deshalb sollten Hürden abgebaut und mit dem Gewalthilfegesetz ein flächendeckendes Schutznetz aufgebaut werden.

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) betonte: »Die Opfer brauchen Schutz und müssen sich frei bewegen können.« Darum solle jetzt das spanische Modell der Fußfessel auch in Deutschland eingeführt werden. Der Einsatz von K.-o.-Tropfen werde künftig so geahndet wie der Einsatz einer Waffe. Laut BKA-Präsident Holger Münch gehe es auch darum, »dass mehr Betroffene den Mut finden, Gewalt anzuzeigen, um Unterstützung zu erhalten«.

Frauen, junge und queere Menschen sind besonders betroffen

Frauen und Männer waren sowohl von psychischer als auch körperlicher Gewalt in (Ex-)Partnerschaften in den letzten fünf Jahre ähnlich häufig betroffen. Frauen erleiden jedoch in Gewaltsituationen mehr Verletzungen, schätzen die Lebensgefahr als größer ein, empfinden stärkere Angst und erleben häufiger verschiedene Formen von Gewalt gleichzeitig.

Jüngeren Personen widerfährt mehr Gewalt als älteren, und zwar besonders häufig durch sexuelle Belästigung, digitale Gewalt und K.-o.-Tropfen. Weitere stark betroffene Gruppen sind Personen mit Migrationshintergrund – auch hier vor allem Frauen – sowie Angehörige der LSBTIQ*-Community.

 Viele Kinder erleben häusliche Gewalt

Viele Befragte berichteten davon, in der Kindheit und Jugend Gewalt durch Eltern oder Erziehungsberechtigte erlebt zu haben. Mehr als jede zweite junge Person ist von körperlicher Gewalt und mehr als jede dritte Person von psychischen Gewalterfahrungen betroffen. Fast jede vierte Person hat Gewalt zwischen den Erziehungsberechtigten miterlebt, wodurch auch die Wahrscheinlichkeit stieg, selbst Opfer von Gewalt durch Erziehungsberechtigte zu werden.

Quelle: Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend, 10.2.2026 · www.bka.de/lesubia · DHZ