Embryotox bezeichnet Paracetamol in der Schwangerschaft als ein bewährtes und gut verträgliches Mittel gegen medikamentös behandlungspflichtige Schmerzen. Foto: © Kesinee/stock.adobe.com

US-Präsident Donald Trump hat Schwangere vor der Einnahme von Paracetamol gewarnt und ein Autismus-Risiko für ihre Kinder ins Spiel gebracht. Fachleute sehen dafür jedoch keinerlei Grundlage. »Da ist natürlich nichts dran«, sagt Maik Pommer, Sprecher des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM).

»Solche Aspekte werden selbstverständlich in der gesamten EU gemeinsam durch alle Gesundheits- und Arzneimittelbehörden engmaschig überwacht«, so Pommer. Bekannte Risiken seien in den Packungsbeilagen aufgeführt – ein Hinweis auf Autismus fehle.

Trump erklärte mehrfach, Schwangere sollten Tylenol, ein Medikament mit Paracetamol, nur im Notfall einnehmen. Belege nannte er nicht.

Deutliche Kritik aus den USA

Hersteller Kenvue verweist auf fehlende wissenschaftliche Nachweise. Auch die Fachgesellschaft The American College of Obstetricians and Gynecologists (ACOG) stellte klar, die Einschätzung der Regierung ignoriere Forschungsergebnisse und vereinfache komplexe Ursachen neurologischer Störungen.

ACOG: Warnung »höchst beunruhigend« und »unverantwortlich«

»Es ist höchst beunruhigend, dass unsere Bundesgesundheitsbehörden bereit sind, eine Ankündigung zu machen, … ohne dass hierfür verlässliche Daten vorliegen«, heißt es auf der ACOG-Webseite. Trumps Aussagen seien zudem »unverantwortlich, wenn man bedenkt, welche schädliche und verwirrende Botschaft sie schwangeren Patientinnen vermitteln«.

WHO und deutsche Expert:innen: keine Beweise

Ein WHO-Sprecher betonte, Beobachtungsstudien hätten widersprüchliche Ergebnisse geliefert: »Aber die Beweislage bleibt uneinheitlich.« Wäre der Zusammenhang klar, hätte er sich in mehreren Studien bestätigen müssen. Schwangere sollten sich deshalb stets ärztlich beraten lassen.

Auch der Berufsverband der Frauenärzte empfiehlt, Medikamente in der Schwangerschaft nur nach Rücksprache einzunehmen. BfArM und Embryotox sehen keinen Nachweis für ein Autismus-Risiko.

Embryotox und Studienlage

Embryotox nennt Paracetamol ein bewährtes Mittel bei Schmerzen in der Schwangerschaft, wenn es verantwortungsvoll eingesetzt werde. Hinweise auf Risiken aus einigen Studien seien methodisch schwach. Eine schwedische Geschwisterstudie, auf die Nature verweist, fand keinen Zusammenhang.

Quelle: dpa, 23.9.2025 ∙ DHZ