Illustration: © Birgit Heimbach
In einer französischen Studie zeigte sich, dass 2020 nur gut ein Viertel der Pariser Ärzt:innen bereit war, einen Kaiserschnitt auf Wunsch der Frau durchzuführen. Privat abrechnende Geburtshelfer:innen zeigten eine signifikant höhere Motivation dazu, was aufgrund des finanziellen Anreizes nicht verwunderlich ist. Ich fand es eigentlich erstaunlich, dass es doch insgesamt so wenige waren.
Aber woher kommt der Wunsch bei den Frauen? Ein Review aus dem Jahr 2019 zeigt die Gründe auf: an erster Stelle steht die Angst vor den Geburtsschmerzen, die Angst um die Gesundheit oder das Leben des Kindes, vor der Geburt überhaupt, vor Kontrollverlust, aber auch vor Geburtsverletzungen oder dem Verlust der Kontinenz. Auch schlechte Erfahrungen bei vorangegangenen Geburten, Angst vor Untersuchungen, langen Geburtsverläufen, einem großen Kind oder auch Stuhlabgang während der Geburt spielen eine Rolle, ebenso wie Angst vor fehlender Unterstützung durch das Personal. Eine lange Liste an Ängsten, die manchen Frauen den Mut nehmen, sich eine natürliche Geburt zuzutrauen oder zuzumuten. Nicht alle Bedenken sind gänzlich unbegründet – eigentlich sind ja fast alle Aspekte realistische Risiken bei einer spontanen Geburt. Aber – no risk, no fun!?
Ich wundere mich manchmal, welche Risiken wir täglich eingehen, ohne groß darüber nachzudenken. Da werden alle möglichen Drogen ausprobiert, manche Menschen ruinieren ihre eigene Gesundheit und die ihrer Kinder mit Junkfood, rauchen, trinken Alkohol, lassen sich riesige Tattoos stechen, was auch nicht gerade schmerzfrei ist, lassen sich Nasen, Busen, Bauch und Beine umoperieren, oder nehmen Jahrzehnte lang die Pille, ohne die möglichen Folgen zu bedenken.
Und wenn der Körper dann einmal von selbst etwas ganz Natürliches aus eigener Kraft erledigen will, herrscht so viel Angst. Hebammen und Ärzt:innen können sich als eine Art Coach verstehen. Wir können Frauen und Paaren Mut machen, eines der letzten großen Abenteuer zu wagen, bei dem sie – hoffentlich – auf unsere professionelle Hilfe zählen dürfen.
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