Welche Haltung haben Sie zu IGeL-Leistungen?

Andrea Winter,

Hebamme in der Vitrea Klinik Bad Berleburg und freiberufliche Hebamme und Familienhebamme in den Frühen Hilfen

Ich möchte alle Familien gleich begleiten können. Nicht jede Familie kann sich IGeL-Leistungen leisten. Vermutlich sind sie in Zukunft aufgrund des Hebammenhilfevertrags dennoch notwendig, da die Kontaktmöglichkeit via Signal/Mail dann eine Sonderleistung ist. Ich benutze diese Möglichkeit viel und gegebenenfalls mit Übersetzung für Frauen, die wenig oder kein Deutsch oder Englisch sprechen. Ein von der Kasse bezahltes Telefonat hilft nicht, wenn eine Sprachbarriere existiert.


Mandy Preusche,

Hebamme in eigener Praxis in Bautzen und
Praxisanleiterin

Ich arbeite schon mit IGeL-Leistungen, allerdings nehmen diese nur Familien aus der »sozialen Mittelschicht« in Anspruch. Das führt dazu, dass gerade die Mütter und Familien, die es eigentlich brauchen, die Angebote nicht nutzen. Da bin ich als Hebamme im Dilemma.


Susanne Lohmann,

Freiberufliche Hebamme in der Wochenbettbetreuung und Stillberatung

Ich lehne IGeL-Leistungen ab, weil sie sozial ungerecht sind. Ich überlege jeweils, was ich für wichtig genug halte, und integriere es in die normale Betreuung. Manche Investitionen sind dann eben nicht möglich. Als Beispiel: Für ein Gerät zur transkutanen Bilirubinmessung bräuchte es dann eine Struktur, die zur Finanzierung beiträgt (ich denke da an die Kommune). Eine bessere Versorgung bei Hyperbilirubinämie liegt ja wohl auch im öffentlichen Interesse.