Wofür nutzen Sie Osteopathie in Ihrer geburtshilflichen Arbeit?

Sonja Messer,

freiberufliche Hausgeburtshebamme im Main-Kinzig-Kreis

Mehr als jede zweite Frau leidet während der Schwangerschaft unter Rückenproblematiken. In der Schwangerenvorsorge mobilisiere ich vor allen Dingen das Becken und die Wirbelsäule. Beschwerden – auch des Ischiasnervs – werden dadurch deutlich gemildert oder verschwinden ganz. Auch unter der Geburt nutze ich manuelle Therapie, beispielsweise um den Beckenraum zu vergrößern. Meiner Ansicht nach sollte manuelle Therapie unbedingt Teil der Hebammenausbildung werden. Es ist ein wirkungsvolles Handwerk, das vielen Schwangeren Erleichterung bringt.


Elmire Frick,

Hebamme in der Wochenbettbetreuung und Leitung der Geschäftsstelle des Projekts »Qualität in der Hebammenarbeit« im niedersächsischen Hebammenverband

Osteopathie ist »Schauen mit den Händen«. In unserer Arbeit als Hebammen ist das Becken der zentrale Ort des Geschehens. Es ist so wichtig, hier ein Verständnis für die Anatomie zu haben und Bewegungseinschränkungen wahrzunehmen. Denn diese können zum Geburtshindernis werden. So quälen Iliosakralgelenk-Beschwerden viele Schwangere. Hier arbeite ich mit meinen Händen und mit meinem Blick.


Sabine Braun,

freiberufliche Hebamme und Hausgeburtshebamme

In der Osteopathie liegen große Chancen für meine tägliche Hebammenarbeit. Ich erlebe an den Frauen die Auswirkungen unserer zunehmend »artfremden« und eingeschränkten Lebensweise (etwa Bewegung und Ernährung betreffend). Mit den großen Veränderungen einer Schwangerschaft kommen häufig latent schlummernde Probleme als »Beschwerden« zum Vorschein. Hier ist die kundige Berührung für eine fachkompetente Diagnostik und Linderung von Beschwerden ein hilfreiches Instrument. In den
Lehrbüchern für Hebammen und den Ausbildungscurricula sehe ich große Lücken. Mein Wunsch: die Hebammenausbildung im Hinblick auf originäres Handwerk weiter qualifizieren und die Möglichkeiten der Osteopathie mit aufnehmen.