Scham und Schuld sind Gefühle, die eng beisammen liegen. Haben Sie in der Betreuung von Schwangeren, Gebärenden oder Wöchnerinnen diese Emotionen schon erlebt? Wie gehen Sie damit um?

Kathrin Tolle-Radigk,
Leitende Hebamme Helios Klinik Jerichower Land 
und Familienhebamme

Gerade in der Tätigkeit als Familienhebamme ist mir dieses Thema häufiger begegnet. Entscheidend für mich ist ein offenes Gespräch, dabei aktives Zuhören und daraus resultierende, kleinschrittige Maßnahmen erarbeiten und Umsetzungsmöglichkeiten ins Auge fassen, um vorrangig das Selbstbewusstsein der Betroffenen zu stärken. Basis des Ganzen ist ein gutes bis sehr gutes Vertrauensverhältnis zwischen mir und der Frau beziehungsweise auch des Partners oder der Partnerin.

Viresha Bloemeke,
Hebamme, Heilpraktikerin für Psychotherapie (HP), 
Körper- und Traumatherapeutin in Hamburg

Ich setze das Bonding-Bad nach schwierigen Geburten gezielt ein, wenn der Start für Mutter und Kind spürbar belastend war. Es kann beiden helfen, aus dem Anspannungszustand herauszukommen und sich in einem ruhigen Moment neu zu begegnen. Oft zeigt sich beim Kind eine deutliche Entspannung, und auch die Mutter wirkt gelöster. Für viele ist es ein stiller, aber wichtiger Schritt in Richtung Verarbeitung