Laut Annika Wanierke, Präsidentin des Deutschen Hebammenverbandes, sind Hebammen ein Paradebeispiel für strukturelle Ungerechtigkeit. Illustration: © dore art/stock.adobe.com
Strukturelle Ungleichheiten prägen nach wie vor den Berufsalltag vieler Frauen – auch im Gesundheitswesen. Gerade dort, wo überwiegend Frauen arbeiten, fehlen oft angemessene Arbeitsbedingungen, politische Aufmerksamkeit und gesellschaftliche Wertschätzung.
Auch die Hebammenarbeit bildet keine Ausnahme. Sie vereint hochqualifizierte medizinische Kompetenz mit großer Verantwortung und Fürsorge. Dennoch spiegelt sich ihre zentrale Bedeutung für Familien und die öffentliche Gesundheit nicht ausreichend in der strukturellen Unterstützung wider. Ein leistungsfähiges Gesundheitswesen braucht gestärkte Frauen. Dazu gehören faire Löhne, verlässliche Arbeitsbedingungen, echte Mitbestimmung und Anerkennung ihrer Expertise.
Am 8. März begehen Menschen weltweit den Internationalen Frauentag. Annika Wanierke, neue Präsidentin des Deutschen Hebammenverbandes (DHV), sagt dazu:
»Ob Gender Pay-, Gender Care- oder Gender Pension Gap: Auch im Jahr 2026 klaffen noch viel zu viele Lücken zwischen den Lebensrealitäten von Frauen und Männern. Hebammen sind ein Paradebeispiel für diese strukturelle Ungerechtigkeit: Frauen leisten mehr Sorgearbeit, verdienen dabei durchschnittlich noch immer 16 Prozent weniger als gleichqualifizierte Männer und bekommen am Ende auch noch weniger Rente. Obwohl der Berufsstand vollakademisiert ist, bleibt der Verdienst weit hinter dem zurück, was vergleichbare Fachkräfte in anderen akademisierten Berufen im medizinischen Bereich verdienen.
Als Hebammen prangern wir den Gender Health Gap an: Frauen erhalten zu oft nicht die richtige Behandlung oder werden zu spät diagnostiziert, weil unser medizinisches System sich an den Symptomen und der Behandlung des Durchschnittsmanns orientiert. Auch die Debatte um traumatisierende Geburtserlebnisse und Gewalt in der Geburtshilfe zeigt, dass wir noch weit entfernt von einer geschlechtergerechten Medizin sind. Als Hebammenverband setzen wir uns für eine Verbesserung der Frauengesundheit in allen Bereichen ein und fordern das Recht der Frau auf eine passgenaue Eins-zu-eins-Betreuung durch Hebammen unter der Geburt. Ohne verbindliche und kluge Regelungen geht es aber nicht – hier sehen wir die Politik in der Pflicht.«
Quelle: DHZ ∙ Deutscher Hebammenverband, 6.3.2026
