Illustration: Birgit Heimbach

Ja oder nein, richtig oder falsch, erst mal Erfahrung sammeln – aber wo?

An der Frage, wo eine frischgebackene Hebamme arbeiten kann und sollte, scheiden sich die Geister. Vor allem, wenn die Arbeit die Geburtshilfe mit einschließt. Fragt man junge Hebammen in eigener Feldforschung, ob sie sich nach der Ausbildung befähigt fühlen, in allen Bereichen der Hebammenarbeit zu arbeiten, wird das nur selten bejaht.

Da wenden so manche »alten Häsinnen« ein, es sei fahrlässig, direkt nach der Ausbildung in der Freiberuflichkeit oder einem kleinen Haus zu arbeiten. Man müsse erst einmal Erfahrung sammeln an einer großen Klinik, um vor allem Notfälle sicher handhaben zu können. Nachvollziehbar ist das, weil es manche von diesen Notfällen selten gibt.

Andere wenden ein, dass die Geburtshilfe in einem gut aufgestellten Hebammenteam in einer Praxis, einem Geburtshaus oder einer kleineren Belegklinik durchaus etwas für Berufsneulinge sei – denn mit dem entsprechenden Rückhalt durch ein Team darf die Junghebamme geschützt Erfahrungen sammeln und vertraute Sicherheitsnetze um sich wissen. Wer hat nun recht? Was ist sicherer? Gibt es Waghalsigkeit nicht an beiden Orten?

Ohne Team im Hintergrund loszuziehen und Geburtshilfe zu leisten, vielleicht sogar ohne Anbindung an regionale Netzwerke, mag hanebüchen sein. Als Einsteigerin an einer Geburtsklinik drei Frauen gleichzeitig betreuen zu müssen, Harnblase und Magen auf acht Stunden Durchhaltevermögen zu trainieren oder hausgemachte Probleme managen zu lernen, die durch eine interventionsreiche Geburtsmedizin entstehen, aber auch.

Schön wäre es, nach und nach hineinwachsen zu dürfen in die Herausforderungen. Eine Mentorin an der Seite zu wissen, die in den ersten Monaten Ansprechpartnerin ist. Für die ersten Male – den ersten IUFT, die erste Gemini-Spontangeburt, die erste kleine Geburt, die ersten eigenen Wassergeburtsbegleitungen.

Dazu ein Team mit Schulterschluss, mit einer Feedbackkultur und der Bereitschaft, Wissen zur Physiologie zu teilen und sich über die Schulter schauen zu lassen. Die nächste Generation soll gut auf den Weg kommen und das überall! Dann gilt für beide Orte, das »Drinnen« und das »Draußen«, die Anstellung und die Freiberuflichkeit: Ein Trainee-Programm wäre für Hebammen Gold wert!

Zitiervorlage

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