Laut einer Umfrage unter US-amerikanischen Eltern zeigte sich, dass jedes sechste Elternteil einige oder alle der empfohlenen Kinderimpfungen verzögert oder ganz ausgelassen habe. Foto: © Andy/stock.adobe.com
Eine aktuelle Umfrage der Washington Post in Zusammenarbeit mit der Nichtregierungsorganisation KFF unter mehr als 2.500 Eltern in den USA zeigt: Jedes sechste Elternteil hat einige oder alle der empfohlenen Kinderimpfungen verzögert oder ganz ausgelassen.
Hauptgründe waren Bedenken hinsichtlich möglicher Nebenwirkungen und mangelndes Vertrauen in die Bundesgesundheitsbehörden. Rund 9 % der Eltern verzichteten demnach auf Impfungen gegen Polio sowie Masern, Mumps und Röteln. Besonders häufig traten Verzögerungen oder Ablehnungen bei Eltern auf, die sich politisch eher den Republikanern zugehörig fühlten, religiöse Gründe angaben oder ihre Kinder zu Hause unterrichteten.
Deutliche Warnungen
Fachleute warnen vor einer möglichen Rückkehr schwerwiegender, durch Impfungen weitgehend ausgerotteter Krankheiten. Allein in diesem Jahr verzeichneten die USA den schlimmsten Masernausbruch seit mehr als 30 Jahren: Über 1.400 Fälle wurden bestätigt, drei Menschen, darunter zwei Kleinkinder, starben.
Die Umfrage zeigt zudem, dass Kinder noch seltener gegen COVID-19 oder Influenza geimpft werden. Etwa die Hälfte der Eltern ließ ihre Kinder im vergangenen Jahr nicht gegen Grippe impfen, 56 % äußerten Zweifel an der Sicherheit von COVID-19-Impfstoffen für Kinder.
Trotz dieser Entwicklungen bleibt die überwiegende Mehrheit der Eltern impfbereit: 81 % unterstützen nach wie vor die Pflicht von Masern- und Polioimpfungen für den Besuch öffentlicher Schulen. In den USA sind einige Impfungen wie gegen Masern, Mumps und Röteln für die Einschulung vorgeschrieben, andere werden empfohlen. In vielen Bundesstaaten sind jedoch Befreiungen, etwa aus religiösen Gründen, möglich.
Falschinformationen
Der Widerstand gegen Impfungen ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Dies ist unter anderem auf widerlegte Behauptungen zurückzuführen, Impfungen könnten Autismus verursachen. Prominente Politiker wie US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. haben diese Falschinformationen wiederholt verbreitet, Zweifel an der Sicherheit von Impfstoffen geschürt und den Zugang zu Coronaimpfstoffen sowie Fördermitteln für neue Impfstoffe eingeschränkt.
Quelle: Deutsches Ärzteblatt, 16.9.2025 ∙ DHZ
