Illustration: Melanie Garanin
Es gibt viele Themen in der Hebammenarbeit, die noch nicht gut erforscht sind, doch die positive Wirkung von Beckenbodentraining und Rückbildungsgymnastik zählt nicht dazu. Zwar gibt es noch offene Detailfragen, aber grundsätzlich gilt nach wie vor und evidenzbelegt: Rückbildungsgymnastik ist ein wichtiger und wertvoller Baustein in der Prävention rund um die Geburt und in der Regeneration postpartal.
Neuester Trend dagegen: die Rückbildung durch eine Stützpessar-Therapie zu ersetzen – unabhängig von konkreten Befunden wie Senkungen, die das Stützen mit einem Pessar selbstredend indizieren.
Es gibt aktuell drei kleine Studien mit geringen Teilnehmerinnenzahlen und Studiendesigns mit diversen Bias, die mit Scheidenpessaren bei Frauen ohne Pathologie postpartal einen subjektiv besseren kurzfristigen Erfolg im Vergleich zu Rückbildungsgymnastik ermittelt haben wollen. Zwei der Studien wurden von den Herstellern eines relativ teuren Pessars gesponsert, die dritte Studie von einem Gynäkologen geleitet, der online Pessare und Fortbildungen dazu vertreibt. Interessenskonflikte sind somit nicht ausgeschlossen.
Doch wie so oft beinhaltet schon die Fragestellung solcher Studien wichtige Lücken. Eine fundierte Rückbildungsgymnastik im Wochenbett und im Kurs kann nicht nur anhand einzelner Outcomes wie dem Beckenboden-»Gefühl« bewertet werden. Sie bedeutet und beinhaltet viel mehr: Vertiefung der Atmung, Thromboseprophylaxe, Zuwendung, Aktivierung der Rumpf- und Rückenmuskeln und des Beckenbodens in diesem funktionellen System, Beratung zu schonendem und stärkendem Alltagsverhalten, Austausch, Motivation zu Eigenverantwortlichkeit und die Rückkehr zu einem gesunden körperlich aktiven Leben.
Ein Pessar kann im Einzelfall sehr hilfreich sein. Aber ersetzen kann es das alles nicht!
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