Für Kinder stellt Tabakrauch eine besondere Gefahr dar und wird unter anderem mit einem erhöhten Risiko für Infektionen der unteren Atemwege, Mittelohrentzündungen und Asthma in Verbindung gebracht. Foto: © zabavna/AdobeStock

Tabakkonsum gehört weiterhin zu den größten vermeidbaren Gesundheitsrisiken. Während der Gesetzgeber das Rauchen in öffentlichen geschlossenen Räumen bereits vor Jahren weitgehend eingeschränkt hat, gilt das Verbot in privaten Räumen bislang nicht. Dazu gehören auch Autos, in denen Kinder, Jugendliche oder schwangere Frauen mitfahren. Fachleute, Gesundheitsorganisationen und zahlreiche Bundesländer fordern deshalb seit Jahren strengere Regelungen für das Rauchen im Auto zum Schutz besonders gefährdeter Personengruppen. In Ländern wie Italien, Frankreich, Österreich oder Griechenland gelten bereits unterschiedliche Rauchverbote in Fahrzeugen.

Passivrauchen gefährdet Kinder

Insgesamt wurden im Tabakrauch mehr als 5.300 chemische Substanzen nachgewiesen, darunter zahlreiche giftige, reizende und krebserzeugende Verbindungen. Passivrauchen ist ein wissenschaftlich belegter Risikofaktor für eine Vielzahl von Erkrankungen. Bereits kurzfristige Belastungen können Beschwerden wie Atemwegsreizungen und Übelkeit hervorrufen. Langfristig steigt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfälle, Asthma sowie verschiedene Krebserkrankungen, insbesondere Lungenkrebs.

Für Kinder stellt Tabakrauch eine besondere Gefahr dar. Aufgrund ihrer höheren Atemfrequenz nehmen sie mehr Schadstoffe auf. Regelmäßige Passivrauchbelastung im Kindesalter wird mit einem erhöhten Risiko für Infektionen der unteren Atemwege, Mittelohrentzündungen, Asthma, einer eingeschränkten Lungenfunktion und dem plötzlichen Kindstod in Verbindung gebracht. Auch das Risiko für ein geringes Geburtsgewicht bei Neugeborenen steigt, wenn Mütter während der Schwangerschaft Tabakrauch ausgesetzt sind. Darüber hinaus zeigen Studienergebnisse, dass Kinder rauchender Eltern später häufiger selbst zu Tabakprodukten greifen.

Besonders problematisch ist die Situation in Fahrzeugen. Selbst bei geöffneten Fenstern können sich Schadstoffe in hoher Konzentration im Fahrzeuginnenraum ansammeln. Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass rund jedes zehnte Kind und jeder zehnte Jugendliche regelmäßig oder sehr häufig Tabakrauch im Auto ausgesetzt sind.

E-Zigaretten und Vapes sind nicht harmlos

»Auch bei E-Zigaretten und Vapes gibt es derzeit keine Entwarnung. Gesundheitliche Risiken für Menschen in der Umgebung können nach dem aktuellen Wissensstand nicht ausgeschlossen werden. Die ausgeatmeten Aerosole enthalten verschiedene chemische Substanzen, deren langfristige Auswirkungen noch nicht ausreichend erforscht sind«, warnt Prof. Dr. Berthold Koletzko, Kinder- und Jugendarzt und Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit. Aus diesem Grund solle ein mögliches Rauchverbot in Fahrzeugen ausdrücklich auch für E-Zigaretten und vergleichbare Produkte gelten.

Angesichts steigender Raucherzahlen unter Jugendlichen und der Verbreitung neuer Produkte wie Nikotinbeutel oder -zahnstocher wäre ein gesetzliches Rauchverbot im Auto ein wichtiges Signal und ein konkreter erster Schritt, um Kinder und Jugendliche zumindest dort vor Tabak- und Nikotinexposition zu schützen, wo sie keine Wahl haben.

Quelle: Stiftung Kindergesundheit, 1.7.2026 · DHZ