Sportliche Aktivitäten während der Schwangerschaft können nicht nur körperlichen Schwangerschaftskomplikationen vorbeugen, sondern auch das emotionale Gleichgewicht positiv beeinflussen. Foto: © iStock.com/Rawpixel

Bereits leichte körperliche Aktivität scheint in der Schwangerschaft vor depressiven Verstimmungen und Ängsten in der Postnatalphase zu schützen. Depressive Verstimmungen und Ängste treten in den ersten Wochen nach der Entbindung häufig auf. Etwa jede zehnte Frau entwickelt eine Wochenbettdepression. Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass körperliche Aktivität während der Schwangerschaft das Risiko hierfür senken kann.

Die bisherigen Ergebnisse wurden bereits in Metaanalysen zusammengeführt. Offen blieb jedoch, welche Intensität der körperlichen Aktivität dafür erforderlich ist. Unklar war zudem, ob sich Yoga, das bei vielen Schwangeren derzeit beliebt ist und in Deutschland von den Krankenkassen finanziell unterstützt wird, günstig auf die psychische Gesundheit auswirkt.

Wie effektiv ist Yoga wirklich?

Elizabeth Mohr vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung in Wiesbaden und ihre Mitarbeitenden haben deshalb in einem Umbrella-Review die Ergebnisse von 20 systematischen Übersichten zusammengeführt. Diese umfassten weltweit 374 randomisierte Studien mit insgesamt 73.175 Teilnehmerinnen.

Die Meta-Metaanalyse zeigte, dass bereits leichte körperliche Aktivität eine protektive Wirkung entfaltet. Für leichte Aktivitäten, etwa 150 Minuten Gehen pro Woche, ermittelte Mohr eine standardisierte Mittelwertdifferenz (SMD) von -0,52. Das Ergebnis war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von -0,23 bis -0,81 signifikant.

Die SMD wird in Metaanalysen eingesetzt, wenn die Wirkung in den einzelnen Studien mit unterschiedlichen Instrumenten erfasst wurde. Sie beschreibt, wie stark sich der Mittelwert der Messergebnisse infolge einer Behandlung verschoben hat, und wird auch als Cohen d bezeichnet. Ein Cohen d von 0,5 in die gewünschte Richtung gilt als mittelstarker Effekt.

Ängste abbauen

Yoga kombiniert Körperhaltungen mit Atemübungen und kann damit als leichte körperliche Aktivität eingeordnet werden. Die Effektstärke war vergleichbar: Mohr ermittelte eine SMD von -0,55 [95-%-KI: -0,15 bis -0,95]. Bei gemischten körperlichen Aktivitäten lag sie bei -0,54 [95-%-KI: -0,38 bis -0,70].

Körperliche Aktivität könnte den Müttern zudem helfen, Ängste abzubauen. Die Effektstärke war mit -0,85 sogar größer als bei den depressiven Verstimmungen. Wegen des weiten 95-%-Konfidenzintervalls von -0,42 bis -1,29 lässt sich die Wirkstärke allerdings nur eingeschränkt beurteilen.

Für Mohr liefern die Ergebnisse einen weiteren Grund, Schwangeren zu Yoga oder anderen Formen körperlicher Aktivität zu raten.

Quelle: Mohr, E., Ludwig-Walz, H., Pieper, D., Guthold, R., Kaus, M., Pachanov, A., & Bujard, M. (2026). Physical activity and perinatal depression and anxiety: A global umbrella review and meta-meta-analysis. eClinicalMedicine, 104054. https://doi.org/10.1016/j.eclinm.2026.104054 ∙ Deutsches Ärzteblatt, 14.8.2026 ∙ DHZ