Wie schaffen Sie es im Anamnesegespräch, das Thema Drogenkonsum sensibel zu erfragen?

Simone Sziebert,
Leitende Hebamme im Hebammenkreißsaal des Klinikums Worms
Ich frage im Rahmen der Anamnese auch nach Alkohol, Zigaretten oder anderen Substanzen, da dies für die Gesundheit von Mutter und Kind wichtig sein kann. So frage etwa wie folgt: ›Gibt es etwas in dieser Richtung, das für Sie im Alltag eine Rolle spielt? Manche Frauen erzählen mir, dass es nicht leicht ist, bestimmte Gewohnheiten während der Schwangerschaft zu verändern – wie ist das bei Ihnen?‹

Tobias Richter,
Hebamme, Praxisanleiter und Medizinpädagoge B.A.
Ich persönlich frage offen und wertfrei, eingebettet in die allgemeinen Fragen zum Lebensstil. Wichtig ist für mich dabei, eine vertrauensvolle Umgebung zu schaffen und einen empathischen Ton zu wahren, damit auch heikle Themen wie Drogenkonsum angesprochen werden können.

Kris Ostmann,
Hebamme M.A. und Familienlotsin in einer Level-1-Klinik in Essen
Oft muss ich gar nicht fragen, sondern die Menschen erzählen von sich aus sehr viel, wenn sie merken, dass man ein offenes Ohr hat. Sonst frage ich ganz klar und direkt. Und dann kommt es darauf an, den angegebenen Konsum in Bezug auf Schwangerschaft oder Stillzeit sachlich als riskant einzuordnen, ohne ihn moralisch zu bewerten. Eher finde ich es hilfreich, nach der persönlichen Funktion des Konsums im eigenen Leben zu fragen. Dann ist es möglich, zwischen gelegentlichem Konsum und einer validen Sucht zu unterscheiden und entsprechende Hilfen zu vermitteln – falls gewünscht oder notwendig.
