Mom use electric breast pump feeding for her baby.

Milchpumpen und Zubehör sollen nach Gebrauch zerlegt, mit Spülmittel gereinigt und an der Luft getrocknet werden. Eine Sterilisation ist nicht nötig.

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Kürzlich ist eine Stellungnahme der Nationalen Stillkommission am Robert-Koch Institut zum häuslichen Umgang mit Muttermilch erschienen. Es gibt planbare, aber auch unvorhergesehene Situationen, in denen der gestillte Säugling nicht an der Brust trinken kann. Ein Blick auf die Empfehlungen.

Muttermilch stellt die optimale Ernährung für den Säugling dar, da sie alle essenziellen Nährstoffe in bedarfsgerechter Zusammensetzung für ein altersgerechtes Wachstum und eine gesunde Entwicklung enthält.

Die Nationale Stillkommission veröffentlichte kürzlich eine aktuelle Stellungnahme zum häuslichen Umgang mit Muttermilch für das eigene Kind (Springer et al., 2025). Diese wurden für Situationen ausgesprochen, in denen ein gesunder Säugling nicht direkt an der Brust gestillt werden kann. Auf Grundlage einer Bewertung nationaler und internationaler Leitlinien sowie aktueller wissenschaftlicher Studien wurden durch die Nationale Stillkommission eigene Handlungsempfehlungen abgeleitet. Das Ziel umfasst, stillende Mütter sowie Fachpersonen in der Stillberatung bei der Gewinnung, Aufbewahrung und Verwendung von abgepumpter Muttermilch wissenschaftlich fundiert zu unterstützen.

Umfassende Empfehlungen

Die Empfehlungen umfassen die Bereiche Hygiene, Milchgewinnung, Aufbewahrung, Lagerung und Lagerungstemperaturen, Transport, Auftauen und Erwärmung sowie besondere Hinweise.

Hygiene

  • Händewaschen mit Wasser und Seife wird empfohlen. Eine Händedesinfektion ist nicht notwendig.
  • Eine Reinigung der Brust oder ein Verwerfen der ersten Milchtropfen ist nicht erforderlich.
  • Milchpumpen und Zubehör sollten nach Gebrauch zerlegt, mit Spülmittel gereinigt und an der Luft getrocknet werden. Eine Sterilisation ist nicht nötig.

Milchgewinnung & Aufbewahrung

  • Die Milchgewinnung kann entweder per Hand, mit Hilfe einer Handpumpe oder einer elektrischen Milchpumpe erfolgen.
  • Der Pumpentrichter sollte die passende Größe haben und nicht zu klein gewählt werden.
  • Empfohlen werden Sammelgefäße aus Glas oder BPA-freiem Kunststoff. Haushaltsbehälter sollten nicht verwendet werden.
  • Die Milch sollte direkt in das vorgesehene Auffanggefäß abgepumpt werden.
  • Bei einer Lagerung sollte das Datum auf dem Gefäß vermerkt werden.

Lagerung & Lagerungstemperaturen

Wird Muttermilch gelagert, sollten Zustand der Milch, Lagerort, Lagertemperatur, Lagerfrist und Hinweise beachtet werden (siehe Tabelle 1).

Zustand Temperatur Lagerdauer Hinweise
Frisch Raumtemperatur (15–25 °C) Max. 6–8 Stunden Milch soll sehr sauber gewonnen werden
Gekühlt 4–6 °C Max. 4 Tage Lagerung im unteren/rückwärtigen Bereich des Kühlschranks
Gefroren -18 °C 6–12 Monate Geeignete Gefriergeräte verwenden und nach dem Auftauen nicht erneut einfrieren
Nach dem Auftauen Kühlschrank

(4–6°C)

2 Tage

 

 

 

Aufgetaute Milch bis zum Verbrauch im Kühlschrank auf­bewahren. Nach dem Auftauen nicht erneut einfrieren.
Raumtemperatur

(15–25 °C)

Tabelle 1: Hinweise zu Lagerung und Lagerungstemperaturen von Muttermilch

Quelle: Nach Springer et al., 2025

Transport

  • Zum Transport sollten gut isolierende Kühltaschen/Styroporboxen mit Kühlelementen bei 4–6°C verwendet werden.
  • Die Kühlkette darf beim Transport nicht unterbrochen werden.
  • Glasflaschen sollten gut gepolstert transportiert werden.

Auftauen und Erwärmung

Wird Muttermilch aufgetaut oder erwärmt, sollten Methode, Zeitumfang sowie wichtige Hinweise zum jeweiligen Vorgang beachtet werden. Das Auftauen und Erwärmen von Muttermilch in der Mikrowelle ist nicht erlaubt, da immunaktive Komponenten zerstört werden können, eine ungleiche Erwärmung erfolgen kann und das Risiko für Verbrühungen steigt. Nach dem Auftauen darf zuvor gefrorene Milch nicht erneut eingefroren werden (siehe Tabelle 2).

Vorgang Methode Zeitumfang Hinweise
Schonendes Auftauen Auftauen im Kühlschrank (4–6 °C) 12 Stunden Beste Methode zum Erhalt der Nährstoffe. Danach maximal 2 Tage im Kühlschrank haltbar
Mittelschnelles Auftauen Auftauen bei Raum­temperatur (15–25 °C) 1–4 Stunden Verwenden, wenn Muttermilch sofort verbraucht wird
Schnelles Auftauen Auftauen unter fließendem Wasser (kalt/lauwarm max. 37 °C) Wenige Minuten
  • Verwenden, wenn Muttermilch innerhalb von 2 Stunden verbraucht wird
  • Die Flasche sollte immer wieder leicht geschwenkt werden, um den Fettanteil der Milch gleichmäßig zu verteilen.
Erwärmen Erwärmen im Wasserbad, Flaschenwärmer bis 37 °C 15–20 Minuten

Tabelle 2: Hinweise zum Auftauen und Erwärmen von Muttermilch

Quelle: Nach Springer et al., 2025

Besondere Hinweise

  • Die höchste Konzentration immunologischer Komponenten enthält frische Muttermilch.
  • Das Auftauen in der Mikrowelle führt dazu, dass der IgA- und Lysozym-Spiegel der Milch signifikant reduziert wird. Dadurch wird die Hemmung des Bakterienwachstums beeinträchtigt.
  • Hitzeeinwirkung (mehr als 37 °C) kann wertvolle Bestandteile der Muttermilch zerstören.
  • Tiefgefrierlagerung von Muttermilch über einen Zeitraum von mehr als drei Monaten kann dazu führen, dass sich eine gewisse Hydrolyse der Lipide zeigt. Dadurch kann ein leicht seifiger Geschmack resultieren. Dieser wird jedoch von Säuglingen meist toleriert.
  • Die Makronährstoffe, immunaktive Eiweißstoffe sowie die Osmolarität der länger als neun Monate eingefrorenen Milch bleiben unverändert erhalten.

Fazit für die Praxis

Diese Stellungnahme zur Gewinnung und Aufbewahrung von abgepumpter Muttermilch ist sehr praxisnah und bietet, ergänzend zu dieser kurzen Zusammenfassung, noch viele weitere interessante Detailinformationen.

Die Nationale Stillkommission fasst zusammen: Werden Hygiene, Milchgewinnung, Aufbewahrung, Lagerung und Lagerungstemperaturen, Transport, Auftauen und Erwärmung sowie besondere Hinweise beachtet, kann abgepumpte Muttermilch sehr gut im häuslichen Bereich zur Ernährung des eigenen Kindes verwendet werden. Alle Verarbeitungsschritte wie Kühlen, Einfrieren, Erwärmen oder Lagern können jedoch die biologische Wirksamkeit von Muttermilch verringern. Muttermilch sollte daher möglichst frisch verwendet werden.

Zitiervorlage
Ramsayer, B. (2025). Muttermilch gewinnen und aufbewahren. Deutsche Hebammen Zeitschrift, 77 (7), 66–67.
Literatur
Springer, S., Berns, M. Mildenberger, E., Rouw, E., von Gartzen, A., Weichert, S., Abraham, K., Hösemann, C., Damms A., & Ensenauer, R. (2025). Gewinnung und Aufbewahrung von abgepumpter Muttermilch. Monatsschrift Kinderheilkunde 173(5): 417–425. https://doi.org/10.1007/s00112-025-02152-6