Laut Forschung könnten von Präeklampsie betroffene Frauen von einer selektiven Entfernung der löslichen FMS-like Tyrosinkinase (sFlt-1) mittels Apherese profitieren. © Innovative Creation/stock.adobe.com

In 2 bis 5 % aller Schwangerschaften tritt eine Präeklampsie auf. Das von der Plazenta gebildete Protein sFlt‑1 spielt dabei eine Schlüsselrolle und wird bei dieser Erkrankung stark vermehrt ins Blut abgegeben. Zur Senkung von sFlt‑1 kommen Antikörpertherapien oder extrakorporale Verfahren infrage, wobei Letztere attraktiv erscheinen, da sie ohne zusätzliche Substanzen im mütterlichen Kreislauf auskommen.

Ein Forschungsteam um Ravi Thadhani (Cedars‑Sinai Medical Center, Los Angeles) entwickelte einen hochaffinen Anti‑sFlt‑1‑Antikörper, der in ein extrakorporales Adsorptionssystem integriert wurde, um zirkulierendes sFlt‑1 gezielt zu entfernen. Der »TheraSorb sFlt‑1 Adsorber« wurde zunächst erfolgreich im Pavianmodell getestet und anschließend an fünf gesunden Freiwilligen erprobt. Die einmalige Apherese (0,25 PV, Ø 59 min) wurde gut vertragen, ohne unerwünschte Ereignisse oder Komplementaktivierung.

In den Studienphasen A und B erhielten 16 Schwangere mit sehr früher Präeklampsie eine Apherese. In Phase A wurden steigende Dosen (0,25–0,75 PV) eingesetzt; maternale und fetale Parameter blieben stabil.

  • 0,25 PV senkten sFlt‑1 um 18 %
  • 0,50 PV um 25 %
  • 0,75 PV um 17 %

In Phase B erfolgten wiederholte Apheresen (bis zu 2‑Mal wöchentlich 0,5 PV). Jede Behandlung reduzierte sFlt‑1 um durchschnittlich 16,7 % und den mittleren arteriellen Blutdruck um 4,1 mmHg. Die Blutdrucksenkung korrelierte eng mit dem Rückgang der sFlt‑1‑Spiegel. Die Schwangerschaftsdauer verlängerte sich ab Aufnahme im Median um 10 Tage; die Geburtsgewichte blieben stabil oder stiegen.

Frühere Apherese‑Verfahren konnten ebenfalls die Schwangerschaft verlängern; die hier erzielten 10 Tage liegen im unteren Bereich bisheriger Ergebnisse. Die Forschenden folgern, dass die gezielte Entfernung von sFlt‑1 für Mutter, Fetus und Neugeborenes sicher und gut verträglich ist. Zudem könnte die Apherese einen schädlichen Rückkopplungskreislauf durchbrechen, bei dem hohe sFlt‑1‑Spiegel plazentare Ischämie und damit weitere sFlt‑1‑Freisetzung fördern.

Quelle: Thadhani, R., Hiemstra, T.F., Vatish, M. et al. Targeted removal of soluble Fms-like tyrosine kinase 1 in very preterm preeclampsia: a pilot trial. Nat Med (2026). https://doi.org/10.1038/s41591-026-04333-6 ∙ Deutsches Ärzteblatt, 27.4.2026 ∙ DHZ