Wie sind Ihre Erfahrungen mit dem Bonding-Bad nach der Geburt?

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Anett Schmid,
freiberufliche Hebamme und Sozialpädagogin, Geburtshaus Chemnitz

Gern nutze ich das Bonding-Bad nach sekundärer Sectio oder nach einer Verlegung aus dem außerklinischen Setting, wenn die Geburt anders verlief als zunächst erwartet und ersehnt. Ich erfrage Wünsche und Erwartungen und gebe heilenden Tränen Raum und Zeit. Gelegentlich arbeite ich auch nach einer Trennung von Mutter und Kind damit, zum Beispiel nach Frühgeburt, oder wenn das Stillen nicht so recht klappen will und die Gründe dafür vielschichtig erscheinen. Ich nutze ein Rosenbad, manchmal zusätzlich Weihrauch als Öl, um eine Art Schutzmantel um sie zu legen. Manchmal bin ich mit Mutter und Baby allein. Manchmal sind die Väter dabei. Immer erfahren die Frauen, Kinder und/oder Väter ein Stück Versöhnung auch mit ihrem Weg der Geburt.

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Irina Saulski,
freiberufliche Hebamme mit eigener Praxis in Essen (Oldenburg)

Ich setze das Bonding-Bad nach schwierigen Geburten gezielt ein, wenn der Start für Mutter und Kind spürbar belastend war. Es kann beiden helfen, aus dem Anspannungszustand herauszukommen und sich in einem ruhigen Moment neu zu begegnen. Oft zeigt sich beim Kind eine deutliche Entspannung, und auch die Mutter wirkt gelöster. Für viele ist es ein stiller, aber wichtiger Schritt in Richtung Verarbeitung.

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Sophia Rimml,
M.Sc., Hebamme und IBCLC Stillberaterin im Josia Gesundheitszentrum Kranebitten, Innsbruck

Das Bonding-Bad kann ein wunderbarer Ansatz sein, um Sicherheit, Liebe und Intimität zwischen Mutter und Kind zu stärken – besonders nach einer schwierigen Geburt. Es ist kein »Wundermittel«, aber ich habe erlebt, wie sich emotionale Blockaden bei Mutter und Baby spürbar lockern können. Die Atmosphäre von Wärme und ungeteilter Aufmerksamkeit wirkt oft tief – auch wenn nicht alles sofort gelöst wird. Für viele ist es ein erster heilsamer Schritt in Richtung Verarbeitung.