Auch wenn die ehemalige Hausgeburtshebamme Katja Baumgarten und Chefarzt Prof. Dr. Holger Maul zur Sicherheit und zum Wert der Hausgeburt unterschiedliche Standpunkte vertreten, gingen sie nach dem Austausch mit guter Stimmung auseinander. Foto: © Holger Maul/Asklepios
Was prägt das Sicherheitsgefühl rund um eine Geburt? Im zweiten Teil des Interviews sprechen der Chefarzt der Geburtshilfe am Krankenhaus Hamburg-Barmbek und die ehemalige Hausgeburtshebamme über die Bedeutung einer institutionellen gegenüber einer individuellen »Sicherheitsarchitektur« bei der Geburt. Sollten die Kosten für die Geburtshilfe zu Hause statt von der Solidargemeinschaft von den Frauen privat getragen werden?
Katja Baumgarten: Wenn ich früher Frauen in die Klinik übergeleitet habe und bei ihnen geblieben bin, war vieles, was ich sah, natürlich hilfreich. Ich sah aber auch Störungen oder wie eingegriffen wurde, was ich mich zu Hause nie trauen würde, wo ich viel vorsichtiger gearbeitet habe. In der Klinik herrschen andere Bedingungen – man kann hier gleich retten, was man selbst durcheinandergebracht hat.
Holger Maul: Ich sage doch nicht, dass die Klinikgeburtshilfe nicht besser werden muss. Was Sie von der Hausgeburtshilfe berichten, zum Beispiel dass die Helfenden bei einer Geburt die Gäste der Gebärenden sind, ist doch ein wunderbares Bild. Wenn wir über traumasensible Geburtshilfe reden, ist das genau der Punkt. Dieser Ansatz lässt sich auch in einer Klinik realisieren. Natürlich ist die Geburtshilfe unterfinanziert, wir brauchen kompetentes Personal und wir müssen den Fokus darauf richten, dass wir eine bessere Geburtshilfe machen. Überhaupt keine Frage! Die Forderungen, die Sie stellen, von denen Sie glauben, das ginge nur in der Hausgeburtshilfe, die müssen wir auch in der Klinik umsetzen.
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