Elisabeth Niederstucke, leitende Redakteurin der DHZ seit Februar 2001

Foto: © DHZ

25 Jahre hat Elisabeth Niederstucke als leitende Redakteurin die Inhalte und Ausrichtung der Deutschen Hebammen Zeitschrift maßgeblich gestaltet und geprägt. Zum Ende des Jahres wird sie sich auf den Weg machen und sich neuen Themen zuwenden – auch wieder »menschlichen«, jedoch am anderen Ende der Lebensspanne.

Hebammenexamen? Nein. Aber nach 289 Ausgaben, die sie in ihrer Zeit als leitende Redakteurin seit 2001 begleitet hat, und grob geschätzt 3.500 Artikeln, die sie in ihrer Zeit bei der DHZ redigiert hat, würde sie den theoretischen Teil des Hebammenexamens wahrscheinlich bestehen. Ihr geburtshilfliches Wissen ist groß. Erstaunt sind die Autor:innen, wenn sie im Rahmen der Akquise eines Fachartikels erfahren, dass Elisabeth Niederstucke keine Hebamme ist. Denn die Diskussionen mit ihr, die Reflexion relevanter und aktueller geburtshilflicher Themen sind hoch fachlich. Sie ist eine »Hebamme ehrenhalber«, wie eine Autorin mal liebevoll sagte. Sie stellt die richtigen Fragen, verwandelt fachlich komplexe Texte in gut lesbare Artikel, recherchiert passende Abbildungen und führt die Leser:innen mit der Zusammenstellung abwechslungsreicher Beiträge flüssig durchs Heft.

Das alles macht sie natürlich nicht allein, sondern mit ihrem Team aus fest angestellten und freiberuflich tätigen Redakteurinnen, Volontärinnen, Redaktionsassistentinnen und Contentmanagerinnen. Sie ist die »Zentrale«, das »Herzstück« der Redaktion. Bei ihr laufen seit 25 Jahren alle Fäden zusammen. Wer in den letzten 2,5 Jahrzehnten einen Beitrag für die Deutsche Hebammen Zeitschrift (DHZ) geschrieben hat, hatte mit hoher Wahrscheinlichkeit Kontakt zu ihr.

Die Wurzeln

Studiert hat Elisabeth Niederstucke Agrarwissenschaften. Danach arbeitete sie für verschiedene landwirtschaftliche Institutionen und Verlage, sowohl für Zeitschriften als auch in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, und kam dann in den Elwin Staude Verlag, wo sie die Redaktionsleitung der DHZ übernahm. Mit großem Interesse für alle Themen rund um Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett hat sie seither die Inhalte mitgestaltet, wichtige Themen gesetzt und fortlaufend das Heft mit weiterentwickelt – sowohl inhaltlich als auch journalistisch und bezogen auf das Layout.

Ihre Wurzeln aus der Landwirtschaft sind zu spüren: Fragt man sie, wie das geht, Monat für Monat ein Heft in dieser hohen Qualität herauszubringen, verweist sie lachend auf ihre Erfahrungen: »Die Arbeit ist erst dann getan, wenn der Acker bestellt ist.«

Über ihren Albtraum, einmal vor »weißen Seiten« im Heft zu sitzen, lachen wir gemeinsam regelmäßig. Die Redaktion schöpft aus einer Fülle von Themen, die von den freien und festen Redakteurinnen recherchiert oder von Autor:innen angeboten werden.

Wandelndes Archiv

Wenn Liesel – wie sie hier im Team genannt wird – geht, verlieren wir neben einer tollen Redakteurin und wunderbaren Kollegin ein wandelndes DHZ-Archiv. Auf die Frage, wann wir das letzte Mal beispielsweise einen Artikel über Hyperemesis veröffentlicht haben, war unsere Anlaufstelle bisher Liesel: »Im September hatten wir dazu eine Meldung. Einen tollen Artikel gab es in Heft 5/2022. Ich überlege nochmal, da hatten wir schon einiges.« Beeindruckend! Wie gut, dass wir seit März ein so großartiges Online-Archiv auf unseren Seiten haben – vielleicht sollten wir diesem intern den Namen »Liesel« geben, wenn wir unsere Fragen zukünftig nicht mehr über den Tisch rufen können.

In den 25 Jahren, in denen Elisabeth Niederstucke als leitende Redakteurin die DHZ begleitet, hat sich die Zeitschrift sowohl inhaltlich als auch im Layout stetig gewandelt und weiterentwickelt.

Abbildungen: © DHZ

Vom Lebensanfang zum Lebensende

Für Elisabeth Niederstucke stehen jetzt neue Themen an: Im Sommer hat sie eine Ausbildung in der ehrenamtlichen Sterbebegleitung abgeschlossen. Sie möchte zukünftig Menschen auf ihrem letzten Weg, am anderen Ende der Lebensspanne, und Menschen mit Demenz begleiten. Es werden weiterhin gesellschaftlich wichtige Themen sein, mit denen sie sich beschäftigen wird. Und sie wird wirksam sein, dort wo sie ist. Davon sind wir überzeugt. So wie hier in den letzten 25 Jahren für die DHZ.

Danke, Liesel, für diese lange Zeit, in der du das weite Feld der DHZ immer wieder neu bestellt hast!

Das wollten wir dich immer schon mal gefragt haben ...
Würdest du in deinem nächsten Leben Hebamme werden?

» Ich habe manchmal tatsächlich darüber nachgedacht, sogar in diesem Leben noch Hebamme zu werden, weil ich die Berufsgruppe so sehr mag und ihre Arbeit. Und das Wissensfeld ist mir so ans Herz gewachsen. Also: Im nächsten Leben bestimmt!

Welche geburtshilfliche Komplikation ist dir auch nach 3.500 redigierten Artikeln ein Rätsel?

» Da gibt es durchaus einige, zum Beispiel habe ich komplexe Gerinnungsstörungen, wie die Verbrauchskoagulopathie, nie wirklich verstanden.

Gibt es ein bestimmtes Thema, das du in der DHZ immer wieder gesetzt hast – von dem du dir wünschen würdest, dass es in der Geburtshilfe eine Änderung gäbe?

» Die Frau mit ihren Bedürfnissen in den Mittelpunkt zu stellen, sie über ihre Wahlmöglichkeiten ergebnisoffen aufzuklären und Frauen somit zuzutrauen, dass sie gebären können.

Welche Veränderung in der Geburtshilfe in Deutschland in den letzten 25 Jahren findest du besonders erfreulich?

» Oh, da gibt es einige, aber immer noch viel zu wenige: Ich freue mich oftmals über die tolle Ausbildung der Hebammen an den Universitäten. Dass es zur Akademisierung des Hebammenberufs gekommen ist, wertet ihre Arbeit noch einmal enorm auf. Es stärkt das Wissen und Selbstbewusstsein der Berufsgruppe und ihre Anerkennung als Fachfrauen für die gesunde Geburt.

Gibt es eine Lieblingsausgabe der DHZ, an die du besondere Erinnerungen hast?

» Ich mag viele Ausgaben unglaublich gerne. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir ein Heft aus dem letzten Jahr: im Februar 2024 die Ausgabe mit dem Schwerpunktthema Downsyndrom. Auf dem Titel ist der 1905 geborene Enkel von John Langdon-Down fröhlich beim Radfahren zu sehen – er kam mit einer Trisomie 21 zur Welt. Das hat mich sehr berührt – dieses Bild aus dieser Zeit – und das Heft ist menschlich so ermutigend, wenn man an NIPT und PND denkt …

Was wünschst du dir für die Zukunft der DHZ?

» Die DHZ wird im April 140 Jahre alt. Ich wünsche ihr, dass sie immer ihren fachlichen Platz behält und Inspirationsquelle für viele, viele Hebammen sein kann – und gerne gelesen wird, egal ob im Print oder digital.

Was ist das Erste, was du machen wirst, wenn dich dein Weg im Januar nicht mehr in den Verlag führt?

» Am Morgen mit einem großen Kaffee wieder ins Bett gehen, mit einem guten Buch und ganz viel Zeit, über das Leben nachdenken.

Zitiervorlage
Zickfeldt, B. & Scheede, A. M. (2025). Abschied von Elisabeth Niederstucke: »Hebamme ehrenhalber«. Deutsche Hebammen Zeitschrift, 77 (12), 74–75.