Die erste Ausgabe der Berliner Hebammen Zeitung (BHZ) erschien im Selbstverlag und wurden von Olga Gebauer am 1.4.1886 herausgegeben. Die Ausgabe ist im Archiv des Elwin Staude Verlages in Hannover für Forschende zugänglich. Foto: © Berliner Hebammen Zeitung, April 1886

»Wir wissen, dass wir uns einen schweren und opfervollen Beruf hingegeben haben. Wir wollen aber darum auch in keinerlei Beziehung auf den Genuß verzichten, auf den wir gerechten Anspruch haben«, schrieb die Hebamme Olga Gebauer vor 140 Jahren in ihrem Vorwort der ersten Ausgabe der »Berliner Hebammen-Zeitung«. Die Visionärin und Kämpferin für die Sache der Hebammen ergänzte: »Wir wollen nicht Reichthümer sammeln, aber wir dürfen uns auch nicht mit elenden Bissen abspeisen lassen.« (Gebauer, 1886)

Hat seit Olga Gebauers Appell die Zeit stillgestanden? Sich zusammenzutun, um gemeinsam für sich zu sorgen, sei das Ziel ihres Fachblattes, erklärt sie: »Und zuletzt ist ja doch der äußere Gewinn immer das Mittel auch zur Empfindung des Lohnes zu gelangen, indem er es ermöglicht die Kraft und Ausdauer sowie die rechte Lust und Liebe zum Berufe aufrecht zu erhalten. (…) Wir bedürfen auch in allen anderen Richtungen einer einigenden Verständigung und einer gegenseitigen Unterstützung.«

Aus Olga Gebauers Hebammenzeitung, die sie zunächst im Selbstverlag herausgab, ist schließlich die Deutsche Hebammen Zeitschrift geworden. Zu jedem fünften Jubiläumsschritt beleuchteten wir mit einem Titelthema den Berufsstand und seine Entwicklung: Gemeinsam mit der Körperhistorikerin und Professorin für Soziologie, Barbara Duden, stellten wir 2006 zum 120. Geburtstag Beiträge zur »Geschichte der Professionalisierung« zusammen. Ein weiterer historischer Schwerpunkt im Jahr 2016, »Nanna Conti und ihre Zeit«, handelte von der Rolle der Hebammen in der düsteren, schuldbeladenen Zeit des Nationalsozialismus, auch die der Fachzeitschrift.

Foto: © Reproduktion Michael Plümer

Diesmal geht es um aktuelle Herausforderungen der »Berufspolitik«. Einen Schwerpunkt zu diesem Thema hatte ich bereits 2011 zum 125-jährigen Jubiläum unter meinen Fittichen: »Der Berufsstand in der Krise«. Viele der damaligen Beiträge lesen sich heute bedrückend aktuell, auch wenn die Hebammen seitdem manches erreicht haben.

Die Pionierin Olga Gebauer regte ihre Kolleginnen an, für das Hebammenfachblatt zu schreiben: »Die erste Verbindung für ein gemeinschaftliches Handeln ist offenbar die Annäherung aller Berufsgenossinnen durch mündliche oder schriftliche Mittheilung – durch einen regen Gedankenaustausch.« Seit Beginn meiner Hebammenausbildung 1979 begleitet mich dieser monatliche »Gedankenaustausch« mit der DHZ – als Redaktionsmitglied seit 26 Jahren besonders intensiv. Alle 47 Jahrgänge habe ich nach wie vor griffbereit zur Hand, auch wenn ich gelegentlich versucht bin, sie ins Altpapier zu geben. Ihr Wissensschatz ist die Spur meiner Berufstätigkeit. Die früheren Ausgaben sind dünn, nüchtern in Schwarzweiß, kaum Fotos – nicht zu vergleichen mit der heutigen fachlichen, wissenschaftlichen und berufspolitischen Vielfalt.

Wie geht es weiter mit der Professionalisierung der Hebammen? Welches ist der nächste Schritt, nachdem die überfällige Akademisierung seit 2020 vollbracht ist und der Hebammenkreißsaal gesetzlich verankert? Werden Sie zum 150. Jubiläum in der DHZ von der erfolgreichen Gründung der Hebammenkammern lesen?

Zitiervorlage
Baumgarten, K. (2026). »Wir wollen uns nicht abspeisen lassen«. Deutsche Hebammen Zeitschrift, 78 (4), 8–9.
Literatur
Gebauer, O. (1886). Berliner Hebammenzeitung Nr. 1