Wichtig ist, dass kein Wasser aus dem Pool gelassen wird, bis die Evakuierung abgeschlossen ist, da das Wasser viel Auftrieb gibt und so die Bergung vereinfacht.

Foto: © Tabea Mack

Eine Notsectio nach Kollaps in einem aufblasbaren Geburtspool in einer Londoner Geburtsklinik führte dazu, dass die Autorin und das gesamte Kreißsaalteam an einem »Pool Evacuation Training« teilgenommen haben. Heute gibt sie ihr Wissen weiter an Studierende. Wie läuft so eine Simulation ab?

Eine meiner schwierigsten Schichten im Kreißsaal eines Londoner Krankenhauses war an einem Tag im Jahr 2014: Ich betreute eine Frau, die gerade von der Intensivstation auf die Geburtsstation zurückverlegt worden war. Sechs Tage zuvor hatte sie ihr Baby auf die Welt gebracht – per Notsectio, nachdem sie im ärztlich geleiteten Kreißsaal in der Geburtswanne kollabiert war. Der aufblasbare Pool war in dem angrenzenden Badezimmer aufgebaut und dort mit Wasser befüllt worden.

Nach dem Kreislaufkollaps hatte das Team aus Hebammen und Gynäkolog:innen Schwierigkeiten, die Schwangere aus dem Pool zu bergen. Der Blutverlust nach der OP betrug vier Liter, am nächsten Tag verlor sie weitere zwei Liter. Zum Glück gelang es, eine Hysterektomie zu vermeiden. Ihr Baby war währenddessen auf der benachbarten Neonatologie, wo es gleich nach der Geburt mit einem Nabelschnur-pH Wert von 6,6 aufgenommen worden war. Seitdem krampfte es und und die Prognose war schlecht.

Ausgeprägte Fehlerkultur

Ich habe während meiner Zeit im Kreißsaal nach dem Dienst jede Schicht mit ein paar Worten für mich persönlich dokumentiert. Vier Monate nach dieser Begegnung habe ich aufgeschrieben: »Pool Evacuation Training«. Das britische nationale Gesundheitssystem (National Health Service, NHS) hat eine ausgeprägte Fehlerkultur. Fehlern wird in der Regel auf den Grund gegangen. Besteht der Verdacht, dass Fehler bedeckt gehalten werden, kann es passieren, dass eine staatlich angeordnete Überprüfung stattfindet (siehe Kasten).

Fehleranalyse in England

In der Geburtshilfe ist für die Aufarbeitung von Fehlern der Report des Arztes Dr. Bill Kirkup (2015) über Versäumnisse in der Geburtshilfe in Morecambe Bay im Nordwesten Englands zwischen 2004 und 2013 entstanden.

Darüber hinaus existieren die Reviews von Donna Ockenden (2022), die eine weitreichende Untersuchung der Versäumnisse eines großen NHS Trusts in Mittelengland im Bereich der Geburtshilfe geleitet hat. Auslöser ihrer Ermittlungen waren Todesfälle von Babys aus 23 Familien, die teilweise bis 2001 zurück reichten. Dem Krankenhaus wurde vorgeworfen, die CTG-Aufnahmen falsch interpretiert, nationale NICE-Leitlinien nicht befolgt und keine adäquaten Trainingsprogramme für geburtshilfliches Personal gehabt zu haben. Später wurden Fälle zwischen 1973 und 2020 mit in die Ermittlungen aufgenommen: Insgesamt wurden 1.486 Patient:innenakten im Ockenden- Report untersucht (Ockenden, 2022).

Es wird durchaus erwartet, dass man sogenannte »Adverse Incidents«, also die Meldung von unerwünschten Ereignissen – wie ein postpartaler Blutverlust über einen Liter, eine Notsectio oder die Verlegung eines Neugeborenen auf die Neonatologie – während der Schicht in ein computerbasiertes System eingibt. Seit 2014 ist das hauptsächlich das Datix System. So schreibt NHS Scotland auf seiner Website: »Who should use Datix?« (Wer sollte Datix benutzen?) Und beantwortet selbst seine Frage: »Everyone! It is everyone´s responsibility to report on any issue that may compromise patient safety. This is central to good clinical governance and best practice, as well as contributing to learning.« (Alle! Es ist die Verantwortung von allen, Vorfälle zu melden, die die Patient:innensicherheit gefährden könnten. Dies ist eine zentrale Säule guter klinischer Leitung und Best Practice und trägt zum Lernen bei.«)

Für den Ernstfall lernen

Der Kreislaufkollaps der Frau, die ich sechs Tage später betreut habe, wird so seinen Weg in das damals verwendete Risiko­managementsystem gefunden haben. In der Regel läuft das so ab, dass der Fall von einem internen multidisziplinären Team besprochen und nach Wichtigkeit klassifiziert wird. Vermutlich wurde hier in Anbetracht der Schwere des Vorfalls eine Handlungsempfehlung ausgesprochen. Und so ist es dann dazu gekommen, dass weniger als ein halbes Jahr später das ganze Kreißsaalteam in der Bergung aus dem Pool geschult wurde.

Ich kann mich gut daran erinnern, dass der erste Bergungsdurchlauf während unserer Schulung langsam verlief. Niemand wusste so recht, was zu tun war. Der zweite Durchgang verlief wesentlich schneller. Seitdem sind wir regelmäßig in der Rettung aus dem Pool geschult worden. Auch jetzt gibt es noch jährliche Schulungen, die für alle verpflichtend ist. Einen weiteren Vorfall, der eine praktische Anwendung nötig gemacht hätte, gab es zum Glück in meiner Zeit nicht mehr. Aber wir wären vorbereitet gewesen. Außerdem wurde der Kreißsaal mit der notwendigen Ausrüstung ausgestattet.

Simulation vorbereiten

Mittlerweile bin ich an einer deutschen Hochschule als Dozierende tätig. Als Teil des Geburtenmoduls lehre ich das Thema »Wassergeburt«. Das ist mir ein großes Anliegen, denn ich habe Wassergeburten im hebammengeleiteten Kreißsaal in London sehr gerne begleitet. Den Vorfall und mein Rettungstraining habe ich nicht vergessen: Es ist für mich selbstverständlich, mein Wissen an die Studierenden in Deutschland weiterzugeben. Dies entspricht auch den Empfehlungen der Leitlinie zur vaginalen Geburt am Termin (AWMF; 2020). Sie besagt, dass Abteilungen, die Wassergeburten anbieten, regelmäßige Schulungen zu Notfallmanövern durchführen sollen.

In unseren Skills Labs haben wir einen aufblasbaren Pool. Nach einer theoretischen Einführung in die Notfall-Bergung aus dem Pool im Rahmen der Vorlesung geht es in einer weiteren Lehreinheit darum, die erworbenen Kenntnisse in die Praxis umzusetzen.

Es bedarf einiger Vorbereitung, um eine Evakuierung aus dem Pool zu simulieren:

  • Pool: befüllt mit warmem Wasser (das Wasser sollte der »gebärenden« Person im Sitzen bis zur Brust reichen, wie bei einer echten Wassergeburt)
  • Netz: im klinischen Setting idealerweise viereckig mit Griffen an den Seiten. Aus Kostengründen wurde für die Simulation in den Skills Labs eine Netzhängematte angeschafft – durch die netzartige Struktur kann das Wasser gut abfließen.
  • Liege (idealerweise höhenverstellbar) oder Kreißbett
  • Handtücher (zum Abtrocknen nach der Simulation)
  • gegebenenfalls Matten, um eine rutschfeste Unterlage zu schaffen
  • »Gebärende Person« in Badeanzug oder anderer bequemer, enganliegender Kleidung
  • Fünf weitere Personen, um eine sichere Bergung aus dem Pool zu gewährleisten und Verletzungsrisiken zu minimieren.

Die Studierenden kennen die Erfahrung, während Simulationen im Skills Lab in verschiedene Rollen zu schlüpfen. Und so war auch eine werdende Hebamme bereit, in das zuvor in den Pool gefüllte warme Wasser zu steigen. Es ist empfehlenswert, dass die Personen, die die »Gebärende« aus dem Pool retten, Wechselkleidung dabeihaben oder die Simulation in Bereichskleidung durchziehen. Handtücher wurden bereitgestellt.

Um Verletzungsrisiken durch Ausrutschen zu minimieren, wurde der Boden rund um die Gebärwanne mit rutschfesten Matten ausgelegt. Die Studierenden, die an der Evakuierung beteiligt waren, wurden darauf hingewiesen, dass während der Bergung eine Stütze des Kopfes der zu Evakuierenden zwingend notwendig ist. Alle Beteiligten wussten, dass die »Gebärende« die Simulation zu jeder Zeit durch ein dementsprechendes Signal hätte abbrechen können.

Idealerweise sind fünf Personen an der Bergung beteiligt: Vier heben die »Gebärende« aus dem Pool, während die betreuende Hebamme den Kopf stützt.

Foto: © Tabea Mack

Evakuieren simulieren

Im Idealfall sind fünf Menschen an der (simulierten) Bergung beteiligt. Da häufig weniger Hebammen im Einsatz sind, ist im Ernstfall die Hilfe von Ärzt:innen und Begleitpersonen notwendig. Auch die Evakuierung mit weniger Helfenden ist möglich, birgt aber ein höheres Verletzungsrisiko für die Gebärende, aber vor allem für die Bergenden selbst.

Das simulierte Szenario läuft wie folgt ab: Die »Gebärende« befindet sich in der Eröffnungsphase im Pool. Auf einmal wird ihr unwohl und sie verliert das Bewusstsein. Die betreuende Hebamme im Kreißsaal betätigt den Notruf, um Hilfe anzufordern, und geht dann dazu über, den Kopf der bewusstlosen Person im Pool zu stützen und über Wasser zu halten.

Die Hilfe kommt im Kreißsaal an und wird darüber informiert, dass es sich um einen Kollaps im Pool handelt. Sofort kümmern sich zwei Kolleg:innen darum, dass das Kreißbett oder eine höhenverstellbare Liege zum Pool gefahren und so positioniert wird, dass sich die Liegefläche des Bettes auf Höhe des Poolrandes befindet. Außerdem muss das Bett so stehen, dass die »Gebärende« beim Herausheben in voller Länge auf dem Bett liegen kann. Gegebenenfalls muss die Gebärende im Pool so gedreht werden, dass sich ihr Körper in gerader Linie zum Bett befindet.

Zeitgleich wird ein Netz geholt, das idealerweise an einem Platz liegt, der dem gesamten Kreißsaalteam bekannt ist. Das Netz wird so unter die bewusstlose Person im Pool geschoben, dass ihr ganzer Körper auf dem Netz liegt, welches dann von (idealerweise) vier weiteren Personen an den Ecken festgehalten wird. Die Aufgabe der betreuenden Hebamme ist es, auch während des Heraushebens gewissenhaft auf die Kopfstütze zu achten.

Wenn alle bereit sind, wird bis drei gezählt. Bei »eins« wird das Netz leicht angehoben, dann wieder ins Wasser abgesenkt. Bei »zwei« passiert das Gleiche mit mehr Schwung. Bei »drei« wird die »Gebärende« ganz aus dem Wasser gehoben. Dabei machen die Bergenden zeitgleich Schritte in Richtung Kreißbett oder Liege.

Wichtig bei der Rettung ist, dass kein Wasser aus dem Pool gelassen wird, bis die Evakuierung abgeschlossen ist, da das Wasser viel Auftrieb gibt und so die Bergung erleichtert.

Anschließend findet ein zweiter Durchgang statt. Die Studierenden haben von den ersten Erfahrungen gelernt und können die Bergung viel schneller durchführen. So ist es möglich, nach Ankunft der Helfenden eine Bergung in weniger als zwei Minuten durchzuführen.

Bei weiteren Gruppen stieg die Komplexität durch ein Verlegen des Netzes an eine ungewohnte Stelle, eine Höhenverstellung des Kreißbetts, die Notwendigkeit, zunächst den Netzstecker des Bettes zu ziehen, oder die erforderliche Drehung der bewusstlosen Person, die nicht in Richtung des aufgestellten Bettes im Pool lag. Einmal ergab es sich, dass die betreuende Hebamme, die den Kopf stützte, mit dem Rücken zum Bett stand. Hier wurde die Simulation angehalten, bis das Bett lückenlos zum Poolrand stand und die Hebamme bei einer schwungvollen Bergung nicht selbst rücklings auf das Bett gefallen wäre.

Lernen für den Ernstfall

Die werdenden Hebammen sind immer mit viel Aufmerksamkeit bei der Simulation. Sollte jemals eine solche Notfallsituation auftreten, werden sie sich bestimmt an das Skillstraining erinnern, können dann ihre Kolleg:innen anleiten und für eine schnelle Bergung der echten schwangeren Person sorgen.

 

Zitiervorlage
Solovieva, J. (2025). Evakuierung aus dem Geburtspool: Netz mit doppeltem Boden. Deutsche Hebammen Zeitschrift, 77 (10), 58–61.