Der Deutsche Ärztinnenbund (DÄB) fordert daher verbindliche Standards für die geschlechtersensible Datenerhebung, transparente Trainingsdaten und den Nachweis, dass KI-Anwendungen auch für Frauen wirksam und sicher sind. Illustration: © Piya W./stock.adobe.com

Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) im Gesundheitswesen sollte sich konsequent am Wohl der Patientinnen und Patienten orientieren. Darauf weist der Deutsche Ärztinnenbund (DÄB) hin.

Insbesondere in medizinisch unterversorgten Regionen könne KI zu mehr Versorgungsgerechtigkeit beitragen, indem sie Diagnostik, Therapie und Prävention sinnvoll unterstütze und langfristig eine gerechtere Gesundheitsversorgung ermögliche. Das geht aus einer neuen Stellungnahme der Ausschüsse »Geschlechtersensible Medizin« und »Ethik« des Verbandes hervor.

Gender Bias in medizinischen KI-Systemen

Damit dieses Potenzial jedoch allen Menschen zugutekomme, müssten Qualität, Transparenz und Geschlechtersensibilität von Beginn an berücksichtigt werden. Die Autorinnen sehen vor allem den Gender Bias in medizinischen KI-Systemen kritisch. Dieser könne unter anderem durch unausgewogene Trainingsdaten, männlich dominierte Entwicklungsteams sowie sogenannte Black-Box-Systeme entstehen.

»Der Gender Bias in medizinischer KI ist kein technisches Randproblem, sondern eine Frage der Sicherheit von Patienten und insbesondere Patientinnen«, sagte Brigitte Strahwald, Vorsitzende des Ausschusses Geschlechtersensible Medizin beim DÄB. »Wenn Frauen in Datensätzen unterrepräsentiert sind oder geschlechterspezifische Unterschiede nicht berücksichtigt werden, entstehen reale Risiken für Diagnostik und Therapie«, betonte sie.

Verbindliche Standards gefordert

Der DÄB fordert deshalb verbindliche Standards für eine geschlechtersensible Datenerhebung, transparente Trainingsdaten sowie den Nachweis, dass KI-Anwendungen auch für Frauen wirksam und sicher sind. Darüber hinaus müsse die Beteiligung von Frauen an Forschung und Entwicklung von KI-Anwendungen gezielt gestärkt und gefördert werden, teilte der Verband mit.

Zudem hebt der DÄB die ärztliche Letztverantwortung hervor. »Gerade bei sensiblen medizinischen Entscheidungen braucht es Transparenz, menschliche Verantwortung und die Fähigkeit, algorithmische Empfehlungen kritisch zu hinterfragen«, so Gabriele du Bois, Vorsitzende des Ausschusses Ethik.

Außerdem spricht sich der Verband dafür aus, in Aus-, Weiter- und Fortbildung mehr Wissen über KI zu vermitteln. »Ärztinnen und Ärzte müssen künftig in der Lage sein, algorithmische Empfehlungen kritisch zu bewerten, Bias zu erkennen und Patientinnen und Patienten kompetent aufzuklären«, hieß es aus dem Ärztinnenbund.

Quelle: Deutsches Ärzteblatt, 11.6.2026 ∙ DHZ