Annette Mana da Costa (rechts) hatte vor acht Jahren die zündende Idee einer Wochenpension – das Angebot findet großen Anklang. Foto: © Mo Lensing, www.leben-dokumentieren.de

Am Anfang stand die Vision einer einzelnen Hebamme, die jungen Familien optimale Startbedingungen zukommen lassen wollte. Verwirklichen ließ sich dies mit der Wochenpension im Krankenhaus der Augustinerinnen in Köln – eng verzahnt mit dem Kreißsaal und der Wochenstation. Die Wochenpension wird von vielen Eltern sehr geschätzt. Sie verlassen sie nach einigen Tagen intensiven Bondings mit einer großen Sicherheit im Umgang mit ihrem Kind und der neuen Rolle, in die sie sich in Ruhe einfinden konnten.

Ein besonderes Konzept der frühen Wochenbettbegleitung ist vor sechs Jahren im Krankenhaus der Augustinerinnen in Köln entstanden. Am 1. Dezember 2006 eröffnete die Wochenpension ihre Türen. Seitdem haben 742 Familien die ersten Tage mit ihrem Neugeborenen in diesen Räumen verbracht. Das Besondere an diesem Angebot ist die Fokussierung auf den Bindungsaufbau, die Stärkung der Eigenkompetenz und den Stillbeginn. Die Paare werden ermuntert, ihr Neugeborenes in dauerhaftem Hautkontakt zu halten. Häufig wird das Kind erst zur Entlassung aus der Wochenpension zum ersten Mal angezogen. Bis dahin war es fortwährend bei Mutter oder Vater auf dem Bauch beziehungsweise an der Brust und wurde nur zum Wechseln der Windeln, für die U2-Untersuchung oder eine Hüftsonografie aus dem Hautkontakt genommen.

Das intensive Bonding unterstützt den Stillbeginn, das Anlegen ist meistens ganz unkompliziert. Die intensive Wahrnehmung und Stimulation seiner Haut fördert bei dem Neugeborenen ein gutes Stillverhalten. Es öffnet den Mund weit, erfasst die Brust in der Regel gut und saugt ausgiebig. Die Bindung zwischen Eltern und Kind wird optimal unterstützt. Dadurch entwickeln Mutter und Vater einen sehr hohen Beschützerinstinkt und Selbstvertrauen im Umgang mit dem Kind. Dies verhindert Hilflosigkeit und Ohnmachtsgefühle, die sonst häufig zu Aggression und Gewalt führen. Die Familien verlassen gestärkt, stolz und meist überglücklich die Klinik.

Eine Art Pension oder Hotel …

Annette Mana da Costa, eine Hebamme aus unserem Kreißsaalteam, hatte bereits Anfang 2004 die Idee, ein besonderes Angebot für Paare mit ihren Neugeborenen zu entwickeln. Ihr schwebte eine integrative und stillfreundliche Begleitung der Paare und ihrer Kinder vor. Sie wollte in der Nähe des Krankenhauses eine Art Pension oder Hotel für Wöchnerinnen, Partner und ihre Neugeborenen eröffnen und sie dort als Hebamme begleiten. Vor allem wollte sie die Paare entlasten und ihnen einen geschützten Rahmen bieten. Gleichzeitig sollte ein Freiraum entstehen, in dem die Eltern den Zauber dieser einzigartigen ersten Tage mit ihrem Kind erfahren.

Es folgten einige Treffen einer kleinen Gruppe von Hebammen, die dieses Konzept unterstützten. Ein Vorbild gab es nicht. Als Orientierung dienten die Standards der „babyfreundlichen Krankenhäuser”.

Diese erste Idee scheiterte schließlich an der Beschaffung und Finanzierung geeigneter Räumlichkeiten. Dann wurde in den Jahren 2005 und 2006 ein großer Umbau der gynäkologischen und geburtshilflichen Abteilung geplant und durchgeführt. Schon im Vorfeld dieser Baumaßnahmen stellte Annette Mana da Costa ihr Konzept der Klinikleitung vor. Sie stieß dort auf großes Interesse.

Beim Umbau wurden zwei Zimmer besonders wohnlich renoviert und mit Holzmöbeln eingerichtet. Ein großes „Ehebett”, ein komplett bestückter Wickelplatz, ein Esstisch und Stühle sowie ein komfortables Bad, Kühlschrank und Wasserkocher gehören zur Ausstattung. Auch individuelle Wäsche, Decken, Kissen und Stillkissenbezüge wurden für diese Zimmer angeschafft. So konnte schließlich im Dezember vor sechs Jahren die Wochenpension in Betrieb genommen werden.

Unsicherheit in Zuversicht wandeln

Wie sieht nun die Betreuung in der Wochenpension genau aus? Die Paare werden von 9 bis 13 Uhr und von 17 bis 19 Uhr von einer Hebamme betreut. Kommt es tagsüber in den Zeiten dazwischen zu Problemen und akuten Fragen, ist eine Hebamme aus dem Team telefonisch zu erreichen. Außerdem können sich die Eltern an das Team der Wochenbettstation wenden. In der Regel sind nicht mehr als zwei Familien in der Wochenpension. Manchmal betreuen wir auch Familien, die in einem normalen Stationszimmer untergebracht sind. Jedoch nie mehr als drei Familien. Sind alle Zimmer belegt, wird der Familie dann ein normales Familienzimmer angeboten.

Die Hebamme macht eine ausführliche Visite, sie untersucht das Neugeborene und die Wöchnerin. Vor allem berät sie die Paare ausführlich. Es gibt einen Laufzettel, auf dem alle Themen aufgelistet sind, die sie den Paaren erläutert. Ist ein Themenbereich besprochen, wird er abgehakt. An jedem Tag werden andere Aspekte thematisiert. So kann jede Kollegin nachvollziehen, was bereits besprochen wurde oder welche Tätigkeiten bereits erledigt sind.

Die erste Visite nach der Geburt ist naturgemäß die ausführlichste, gilt es doch hier die anfängliche Unsicherheit bei den Eltern in Zuversicht zu wandeln. Die Paare werden über den Hautkontakt und dessen Effekte informiert. Das erste Windelwechseln wird erklärt und – meist zunächst der Vater – unterstützt. Ziel ist es, dass die Eltern alle Tätigkeiten von Anfang an selbstständig erledigen.

Ein wesentlicher Teil der Beratung umfasst das Stillen. Die Hebamme zeigt verschiedene Stillpositionen. Das korrekte Anlegen wird besprochen und geübt, denn so werden wunde Mamillen vermieden. Die Frau wird darin bestärkt, ihr Kind unbegrenzt – das heißt nach seinem Bedarf – anzulegen. Tee oder andere Flüssigkeiten werden nicht zugefüttert. Saugerflaschen oder Schnuller werden nicht verwendet. Nur bei einer klaren medizinischen Indikation wird abgepumpte Muttermilch oder andere Nahrung zugefüttert. Dies geschieht per Fingerfeeding oder Becherfütterung. Stillhütchen werden nur in Ausnahmefällen bei invertierten Mamillen benutzt, wenn das Kind trotz Hautkontakt nicht in der Lage ist, die Brust zu erfassen und zu saugen. Außerdem erklärt die Hebamme Maßnahmen zum Entlasten und Regenerieren des Beckenbodens und zur Hygiene.

Wir empfehlen den Paaren, möglichst wenig Besucher zu empfangen und einfach die Ruhe, die sie auf der Wochenpension geboten bekommen, zu genießen. Alles findet in den Zimmern statt, ob Blutentnahmen beim Kind, das Hörscreening oder die U2. Außer dem Frühstück, das als Buffet im Frühstückszimmer auf der Station bereitsteht, bringt die Hebamme alle Mahlzeiten ins Zimmer. Dort gibt es außer dem Esstisch auch ein Betttablett.

Neben der Hebammenvisite findet morgens auch eine ärztliche Visite statt. Dokumentiert wird gemeinsam. Die Dokumentation für Mutter und Kind befindet sich in einer Kurve, so dass das gemeinsame Wohlbefinden auf einen Blick zu erfassen ist. Tritt im Verlauf des Aufenthaltes beim Neugeborenen eine Hyperbilirubinämie auf, wird mit einem „Bilibed” im Bett der Eltern fototherapiert.

Die Familien bleiben meist bis zum vierten Tag. Manche Paare gönnen sich noch einen zusätzlichen Tag, weil sie sich so gut umsorgt fühlen.

Das Team der Wochenpension

Wir sind ein Team von fünf Hebammen. Drei Kolleginnen arbeiten auch im Kreißsaal, zwei Hebammen sind freiberuflich und auf der Wochenpension tätig. Sie haben Honorarverträge. Die Hebammen, die gleichzeitig im Kreißsaal tätig sind, rechnen ihre Arbeit als Überstunden ab. Die beiden anderen Kolleginnen schreiben der Klinik Honorarrechnungen.

Wir arbeiten nur dann, wenn die Zimmer belegt sind. Sind die Zimmer leer, halten wir uns bereit für den Fall, dass eine Frau aus dem Kreißsaal oder von der Station auf die Wochenpension verlegt wird. Diese Bereitschaft leisten wir unentgeltlich. Sonn- und Feiertagszuschläge gibt es nicht. Zwischen Weihnachten und Neujahr bleibt die Wochenpension geschlossen.

Wir arbeiten nur dann, wenn die Zimmer belegt sind. Sind die Zimmer leer, halten wir uns bereit für den Fall, dass eine Frau aus dem Kreißsaal oder von der Station auf die Wochenpension verlegt wird. Diese Bereitschaft leisten wir unentgeltlich. Sonn- und Feiertagszuschläge gibt es nicht. Zwischen Weihnachten und Neujahr bleibt die Wochenpension geschlossen.

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