Die fünf häufigsten Ursachen für wunde Brustwarzen und wie sie zu vermeiden sind. Foto: © Von Romanova Anna/Adobe

Rund 90 % der Schwangeren beabsichtigen zu stillen. Das ergab ein Gesundheitsmonitoring des Robert Koch-Institutes in den Jahren 2012 bis 2016. 97 % dieser Mütter haben tatsächlich mit dem Stillen ihres Babys begonnen (Brettschneider et al. 2018). Diese Auswertung wurde im Zusammenhang mit einer Studie über das Stillverhalten in Deutschland durchgeführt, der sogenannten »SuSe 1« (Kersting & Dulon 2002).

Sie ergab das folgende Bild:

  • etwa 90 % der Mütter beginnen zu stillen
  • nach zwei Monaten werden noch etwa 70 % der Säuglinge gestillt
  • die Stillrate nach sechs Monaten liegt bei 40 bis 50 %.

Die häufigste Ursache, das Stillen aufzugeben, ist eine ungenügende Milchbildung, die meist durch falsches Stillmanagement bedingt ist. Die zweithäufigste Ursache sind wunde Mamillen (Kohlhuber et al. 2007, zitiert in Abou-Dakn & Bauer 2008). Diese lassen sich auf multifaktorielle Ursachen zurückführen, die häufig in Kombination auftreten (Kent et al. 2015). Eine australische Studie ergab, dass wunde und verletzte Mamillen mit 62,9 % die häufigste Komplikation beim Stillen war (Thompson et al. 2016).

Schmerzen beim Stillen sind immer ein Zeichen einer Störung! Wunde Brustwarzen sind das Ergebnis. Die Ursachensuche kommt stets vor der Behandlung! (Thompson et al. 2016)

Im Folgenden fünf häufige Ursachen wunder Mamillen und ihre Vermeidung.

Erfahrungen aus der Stillberatung

Am Stillzentrum der Western Australia Universität in Perth wurden alle Konsultationen über zwei Sechsmonatszeiträume ausgewertet, 2011 bei 469 Frauen und 2014 bei 708 Frauen. In 36 % der Fälle waren schmerzende Brustwarzen der Grund für eine Konsultation.

Die diagnostizierten Hauptursachen dafür waren

  • Anlegefehler
  • kurzes Zungenbändchen
  • Infektionen
  • Gaumenanomalien
  • flache oder eingezogenen Mamillen
  • Mastitis
  • Vasospasmen.

Die Beratungen beinhalteten Anlegekorrekturen, Verwendung eines Brustschildes, Stillpausen und Milchgewinnung (per Hand oder Pumpe), Frenotomie, orale Antibiotikagabe, topische Therapie und Anwendung kalter oder warmer Kompressen. Der Schmerz besserte sich in 57 % der Fälle nach durchschnittlich 18 Tagen. Die AutorInnen folgern daraus: Die verschiedenen Ursachen von Schmerzen an den Mamillen sind vermutlich das Ergebnis einer Kaskade von Ereignissen. Wichtig ist daher ein frühzeitiges, effektives Stillmanagement zur Vorbeugung. Eine zeitnahe Diagnose und effektive Therapie tragen entscheidend dazu bei, dass Frauen weiterstillen.

Quelle: Kent JC et al.: Nipple Pain in Breastfeeding Mothers: Incidence,
Causes and Treatments. Int. J. Environ. Res. Public Health 2015. 12, 12247–12263. doi:10.3390/ijerph121012247

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