Die überarbeitete und erweiterte Version des Kompetenzrahmens des ICM wurde 2024 verabschiedet, der zugrundeliegende Revisionsprozess kürzlich veröffentlich. Abbildung: © https://internationalmidwives.org/
Die International Confederation of Midwives (ICM) hat kürzlich eine überarbeitete und erweiterte Version des Kompetenzrahmens »Essential Competencies for Midwifery Practice« veröffentlicht. Er enthält grundlegende Kompetenzen, Kenntnisse, Fähigkeiten und professionelle Verhaltensweisen von Hebammen für eine qualitativ hochwertige und respektvolle Betreuung von Mädchen, Frauen und Neugeborenen.
Der wichtigste Unterschied zur Vorgängerversion aus dem Jahr 2019 umfasst die Einführung einer neue Kategorie 2, mit einem Fokus auf sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte (SRHR). Die anderen vier Kategorien wurden erneut aufgegriffen und anhand aktueller Evidenzen überarbeitet. Die neue Struktur orientiert sich an den weltweit gewachsenen Anforderungen an Hebammen.
ICM Essential Competencies for Midwifery Practice
- Übergreifende Kompetenzen in der Hebammenarbeit
Autonomie, Verantwortlichkeit und interprofessionelle Zusammenarbeit - Sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte
Kontrazeption, präkonzeptionelle Beratung, Zugang zu reproduktiver Gesundheitsversorgung - Betreuung in der Schwangerschaft
Betreuung, Beratung, Screening und Risikobewertung - Betreuung während der Geburt
Evidenzbasierte Betreuung der physiologischen Geburt, Management geburtshilflicher Komplikationen - Betreuung nach der Geburt von Frauen und Neugeborenen
Evidenzbasierte Betreuung während der Postpartalzeit: Stillförderung, Begleitung und Betreuung nach der Geburt, Förderung der psychischen Gesundheit, Nachsorge
Die veröffentlichte Revision des Kompetenzrahmens basiert auf aktuellen wissenschaftlichen Evidenzen und wurde in einem interdisziplinären, partizipativen Prozesses entwickelt. Die neue Struktur dient der fachlichen Präzisierung und erleichtert die Integration globaler Leitlinien, die beispielsweise von der WHO veröffentlicht werden. Der aktualisierte ICM-Kompetenzrahmen stärkt die Hebammenarbeit, da er die vielfältigen Aufgabenbereiche und Verantwortlichkeiten von Hebammen differenziert abbildet.
Gewachsene Hebammenrolle
Berücksichtigt werden dabei nicht nur klassische Versorgungsbereiche wie Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett, sondern auch aktuelle gesundheitspolitische Themen, beispielsweise sexuelle und reproduktive Gesundheit, Klimawandel, Migration und humanitäre Krisen. Damit spiegelt der aktualisierte Kompetenzrahmen die gewachsene Rolle von Hebammen als zentrale Akteurin im Gesundheitssystem wider. Ihre Kompetenzen gehen über die klinische Versorgung hinaus und befähigen sie, evidenzbasiert, autonom und verantwortungsvoll zu handeln.
Die International Confederation of Midwives (ICM) vertritt mit 136 Mitgliedsorganisationen Hebammenberufsverbände aus 117 Ländern weltweit und somit mehr als eine Millionen Hebammen. Als internationaler Dachverband verfolgt sie das Ziel, eine qualitativ hochwertige, respektvolle und sichere Betreuung während Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett zu sichern.
Quellen: Embo, M., C. Levy and S. Pairman (2025). »The International Confederation of Midwives Essential Competencies for Midwifery Practice: A Revision Process – 2024.« Midwifery. · ICM (2024). »International Confederation of Midwives. ICM essential competencies for midwifery practice. The Hague: Licence: CC BY-NC-SA 4.0.« · Beate Ramsayer/ DHZ
