Eine prophylaktische Antibiotikagabe kann nach einem Dammriss 2. Grades oder einer Episiotomie die Rate an schweren Infektionen senken. Foto: © NVB Stocker/stock.adobe.com
Sowohl ein Dammriss als auch eine Episiotomie stellen eine Verletzung dar, die als Eintrittspforte für Keime fungieren und zu Infektionen führen kann.
Ob eine prophylaktische Antibiotikagabe dieses Risiko verringern kann, ist jedoch umstritten. Zwei frühere Cochrane-Reviews zur Antibiotikaprophylaxe nach Dammriss oder Episiotomie stützten sich jeweils nur auf eine einzelne Studie, die keine eindeutige Empfehlung ermöglichte.
Studienaufbau und Durchführung
Um Klarheit zu gewinnen, führte die Herlev Klinik in Kopenhagen eine neue randomisierte Studie durch. Zwischen März und Dezember 2023 erhielten 442 Schwangere, bei denen es bei einer vaginalen Geburt zu einem Dammriss gekommen war oder bei denen eine Episiotomie durchgeführt wurde, entweder drei Dosen Amoxicillin/Clavulansäure oder ein Placebo. Die erste Dosis wurde innerhalb von sechs Stunden nach der Geburt verabreicht, die beiden weiteren folgten jeweils nach acht Stunden.
Der primäre Endpunkt der Studie war das Auftreten von Wundkomplikationen, darunter Wunddehiszenz von mehr als 5 mm, Infektionen oder andere Komplikationen, die eine weiterführende klinische Behandlung erforderlich machten.
Weniger Komplikationen
Die Ergebnisse, wie die Gruppe um Kathrine Perslev berichtete, zeigten, dass in der Antibiotikagruppe bei 47 von 218 Patientinnen (22 %) eines der Ereignisse auftrat, verglichen mit 62 von 215 Patientinnen (29 %) in der Placebogruppe. Der Unterschied von 7,2 Prozentpunkten war jedoch nicht signifikant.
Bei den klinisch relevanten Wundkomplikationen gab es jedoch einen signifikanten Unterschied. Neben anderen Wundinfektionen wurden auch Dehiszenzen von mehr als 10 mm berücksichtigt. In der Antibiotikagruppe traten diese Komplikationen bei 19 Patientinnen (9 %) auf, in der Placebogruppe bei 36 Patientinnen (17 %). Der Risikounterschied von 8,0 % war nun statistisch signifikant.
Mit einer Number Needed to Treat (NNT) von 12 [7; 56] sehen die dänischen Gynäkologen einen erheblichen Nutzen der prophylaktischen Antibiotikagabe, zumal die Studie keine größeren Risiken zeigte. Nebenwirkungen wie Durchfall, Übelkeit, Kopfschmerzen oder Schwindel traten nicht häufiger auf als in der Placebogruppe.
Quelle: Perslev, K., Klarskov, N., Bergholt, T., Jangö, H. (2025). Risk of infection and wound dehiscence after use of prophylactic antibiotics in episiotomy or second degree tear (REPAIR study): single centre, double blind, placebo controlled randomised trial. BMJ, 391, bmj-2025-084312. https://doi.org/10.1136/bmj-2025-084312 ∙ Deutsches Ärzteblatt, 3.11.2025 ∙ DHZ
