Stephanie Joedicke, seit Januar leitende Redakteurin der DHZ: »Der Anspruch, Ruhe, Klarheit und Qualität zu bieten, ist für mich die eigentliche Zukunftsfähigkeit.« Foto: © privat

Mit dieser Ausgabe übernimmt Stephanie Joedicke die Leitung der DHZ-Redaktion – und blickt gleicher­maßen journalistisch erfahren wie neugierig auf die Hebammenwelt. Im Interview spricht sie über ihr Verständnis von guter Fachberichtserstattung. Dabei betont sie ihr Vertrauen in die Hebammen als kompetente, diskussionsfreudige Zielgruppe – und ihre Motivation, die DHZ behutsam weiter­zuentwickeln als verlässliches Medium, das Impulse setzt und nahbare neue Formate erprobt.

DHZ: Steffi, wir freuen uns, dass du den Weg zur DHZ gefunden hast. Du bist schon seit einigen Jahren als Redakteurin für verschiedene Magazine tätig und hast ein breites thematisches Spektrum von Wirtschaft bis Lifestyle abgedeckt. Was reizt dich an einem Fachmedium für Hebammen?

Steffi: Mich fasziniert vor allem die Verbindung aus hoher fachlicher Expertise und gesellschaftlicher sowie beruflicher Relevanz. Hebammen arbeiten an einem der sensibelsten Punkte unseres Lebens. Dort haben auch die kleinsten Entscheidungen Gewicht, und Vertrauen ist ein tragender Pfeiler. Ein Medium zu gestalten, das diese Arbeit begleitet, einordnet und stärkt, empfinde ich als große Verantwortung und als Privileg.

Auch in der Vergangenheit lagen dir Themen mit gesellschaftlicher Relevanz am Herzen und diese in gut lesbare Texte mit ansprechender Gestaltung zu bringen. Wie würdest du die DHZ als Fachmedium für Hebammen in Bezug auf deinen bisherigen journalistischen Werdegang einordnen?

Im Prinzip fühlt sich dieser Weg ganz natürlich an, weil mein Verständnis von guter journalistischer Arbeit gleich bleibt: Inhalte so zu erzählen und aufzubereiten, dass sie Orientierung geben, ohne zu simplifizieren. Gleichzeitig betrete ich mit der Hebammenwelt ein Feld, in dem ich noch viel lernen darf – und das empfinde ich eher als Bereicherung denn als Hürde. Ich durfte in diesem Jahr bereits am Lübecker interprofessionellen Perinatalkongress teilnehmen – und musste gefühlt jeden dritten Fachbegriff nachschlagen [lacht]. Dieses Wissen Schritt für Schritt zu vertiefen, sehe ich als Chance und als Teil eines Lernwegs, der mich wirklich reizt.

Du bist seit dem 1. November bei uns und übernimmst mit dieser Ausgabe die Redaktionsleitung von Elisabeth Niederstucke. Hast du Visionen für die DHZ – thematisch oder auch, was ihre Weiterentwicklung beispielsweise in den Sozialen Medien betrifft?

Die DHZ ist ein etabliertes, zuverlässiges Medium. Darauf möchte ich aufbauen und sie zugleich als neugierige Instanz weiterentwickeln.

Kannst du das konkretisieren?

Wenn eine neue Ausgabe auf dem Tisch liegt, soll sie Ruhe vermitteln: gut recherchierte Inhalte, kluge Stimmen, nachvollziehbare Einordnung. Sie darf aber auch immer wieder Impulse geben, kleine Momente des Innehaltens. In den sozialen Medien wünsche ich mir Formate, die nahbar sind, ohne an fachlicher Tiefe zu verlieren – kurze Einblicke, klare Einordnungen, vielleicht auch mehr Dialog mit den Leser:innen. Aber alles mit Bedacht.

Du hast in den ersten Wochen in der Redaktion schon viel mitbekommen von den Schwerpunktthemen und den vielen Ideen für 2026. Hast du ein Lieblingsthema für dich entdeckt?

Puh, das ist eine dieser Fragen, über die ich nicht zu lange nachdenken darf, die Themen sind alle spannend [lacht]. Ad hoc kommt mir das Thema »Reflexion und Perspektivwechsel« in den Sinn.

Warum gerade dieses?

Ich sehe darin einen großen Gewinn für den Berufsalltag – nicht nur in der Hebammenwelt, sondern auch in jedem anderen Fachgebiet. Prozesse, Entscheidungen oder auch das persönliche Erleben erneut oder aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten, sie neu zu bewerten und bestenfalls Erkenntnisse daraus zu ziehen, darin liegt eine große disruptive Kraft. Auf das Thema »Bindung und elternzentrierte Neo­na­to­logie mit Blick auf das Frühgeborene« freue ich mich ebenfalls. Aus meinem privaten Umfeld weiß ich, dass es dort großartige fortschrittliche Ansätze gibt – aber leider auch an vielen Stellen noch Handlungsbedarf.

Gibt es eine bestimmte Charaktereigenschaft von dir, die du als besonders hilfreich empfindest, um die Inhalte der DHZ zukünftig mitzudenken und mitzugestalten?

Wahrscheinlich eine Mischung aus Gelassenheit und Neugier. Ich höre gern zu, bevor ich entscheide, und versuche, Dinge in ihrem Zusammenhang zu verstehen. Gleichzeitig habe ich Freude daran, Ideen weiterzuführen und Entwicklungen aktiv anzustoßen. Diese Balance halte ich für hilfreich in einem Umfeld, das sich stetig wandelt, aber dennoch Verlässlichkeit braucht.

Der Hebammenberuf ist ein uralter, originärer Beruf am Lebensanfang. Auch du durftest schon persönlich als Mutter die Erfahrung mit Hebammen machen. Gibt es etwas, was du als zentrale Eigenschaft nur mit dem Hebammenberuf verbindest?

Für mich ist es die besondere Fähigkeit, gleichzeitig präsent und zurückgenommen zu sein. Hebammen schaffen Räume – für Gefühle, für Entscheidungen, für körperliche Prozesse – ohne sie sich anzueignen. Das habe ich als Mutter selbst sehr bewusst erlebt. In all diesen Momenten habe ich eine Art Klarheit und Aufgeräumtheit wahrgenommen, die mich tief beeindruckt hat.

Der Fachjournalismus befindet sich im Wandel – Digitalisierung und der Einsatz von KI verändern die Branche rasant. Wo siehst du die DHZ in zehn Jahren, wenn sie 150 Jahre alt wird? Hast du eine Vision?

Ich hoffe, dass die DHZ auch in zehn Jahren zum einen genau das bleibt, was sie heute bereits ist: ein sicherer Ort für fundierte Informationen und Einordnung. Gleichzeitig wird Fachjournalismus sich weiter digitalisieren, und auch die DHZ wird stärker multimedial arbeiten. Ich sehe sie als modernes, vernetztes Wissensmedium, das Hebammen auf vielfältigen Wegen erreicht – gedruckt, digital, vielleicht auch über Formate, die wir heute erst erahnen. Aber immer mit dem Anspruch, Ruhe, Klarheit und Qualität zu bieten. Das ist für mich die eigentliche Zukunftsfähigkeit.

Danke, Steffi, wir freuen uns darauf, all deine Visionen in der DHZ mit Leben zu füllen!

Die Interviewte

Stephanie Joedicke ist ausgebildete Redakteurin und leitete redaktionell in den vergangenen sechs Jahren verschiedene Magazine der Funke Mediengruppe Niedersachsen, darunter das Wirtschaftsmagazin »Standort38« sowie das Interieur- und Lifestyle-Magazin »Exklusive Wohnwelten«. Zuvor studierte sie Medientechnik und Kommunikation an der Technischen Universität Braunschweig und absolvierte anschließend ein Volontariat bei der Funke Mediengruppe.

Kontakt: stephanie.joedicke@staudeverlag.de

 

Zitiervorlage
Zickfeldt, B. & Scheede, A. M. (2026). »Alles mit Bedacht«. Deutsche Hebammen Zeitschrift, 78 (1), 70–71.