Rund 30 % aller Schwangeren und bis zu 39 % aller Mütter im ersten Lebensjahr nach der Geburt berichten von belastenden Stress- und Angsterfahrungen. Illustration: © PDWN Creative/stock.adobe.com
Die ersten 1.000 Tage vom Beginn der Schwangerschaft bis zum Ende des zweiten Lebensjahres stellen eine hochsensible Phase für die psychische und körperliche Entwicklung der Mutter und des Kindes dar. Mütterlicher Stress und Ängste treten während dieser Lebensphase häufig auf: Rund 30 % aller schwangeren Frauen und bis zu 39 % aller Mütter im ersten Lebensjahr nach der Geburt berichten von belastenden Stress- und Angsterfahrungen. Diese können erhebliche gesundheitliche Folgen auf die körperliche und psychische Gesundheit der Mutter und des Kindes haben. Frühgeburtlichkeit, mütterliche Depressionen oder Bindungsstörungen zwischen der Mutter und ihrem Kind können daraus resultieren.
Um Stress und Ängsten während dieser Zeit effektiv zu begegnen ist es wichtig, die ursächlichen Faktoren zu identifizieren: Welche veränderbaren Einflussfaktoren und welche Vulnerabilitätsfaktoren als nicht direkt veränderbare Faktoren sind mit mütterlichen Stress und Ängsten während der ersten 1.000 Lebenstage assoziiert?
Hierzu wurde ein Umbrella-Review durchgeführt. Eingeschlossen wurden 43 Übersichtsarbeiten aus vier Datenbanken, die bis September 2023 publiziert wurden.
Ergebnisse
Die Studien zeigten, dass sowohl veränderbare als auch nicht direkt veränderbare Einflussfaktoren auf allen sozioökologischen Ebenen auftraten und zu Stress und Ängsten führten.
Veränderbare Faktoren
Individuelle Ebene
Zu den wichtigsten Einflussfaktoren zählen vorausgehende psychische Erkrankungen wie Depressionen, Ängste oder Traumata. Auch eine geringe Selbstwirksamkeit, niedrige Resilienz oder negative Geburtserfahrung erhöhten das Stress- und Angstniveau. Der individuelle Lebensstil, wie beispielsweise eine ungesunde Ernährung oder Rauchen, wurde moderat mit Stress und Ängsten in Verbindung gebracht.
Interpersonelle Ebene
Ein zentrales Ergebnis betrifft die soziale Unterstützung: Fehlende oder unzureichende Unterstützung, insbesondere durch den Partner, stehen durchgängig mit höheren Stress- und Angstsymptomen in Verbindung. Partnerschaftskonflikte oder eine Unzufriedenheit mit der Beziehung tragen zu einem höheren Maß an mütterlichem Stress und Ängsten bei.
Vulnerabilitätsfaktoren
Zu den nicht direkt veränderbaren Faktoren zählen soziodemografische Faktoren wie ein junges mütterliches Alter oder ein niedriger sozioökonomischer Status. Ebenso zählen Komplikationen während der Schwangerschaft, der Geburt oder kindliche Gesundheitsprobleme dazu. Diese Faktoren erhöhten die Anfälligkeit für Stress- oder Angstsymptome.
Rahmenmodell
Aus den Ergebnissen entwickelten die Autor: innen ein theoretisch fundiertes Rahmenmodell, das konkrete Ansatzpunkte für Interventionen aufzeigt: Hierzu zählen ein standardisiertes Screening auf psychische Vorerkrankungen und Risikoprofile, eine systematische Stärkung der mütterlichen Resilienz, eine frühzeitige Einbindung des Partners sowie eine Verbesserung der geburtshilflichen Betreuung und Kommunikation.
Fazit
Die Ergebnisse des Umbrella-Reviews zeigen klar auf: Mütterlicher Stress und Ängste entstehen in den ersten 1.000 Tagen durch ein komplexes Zusammenspiel unterschiedlicher Einflussfaktoren. Eine wirksame Prävention und Versorgung erforderten daher die gezielte Berücksichtigung sowohl veränderbarer als auch nicht direkt veränderbarer Faktoren auf mehreren Ebenen. Über das neu entwickelte Rahmenmodell können mütterlicher Stress und Ängste während der ersten 1.000 Tage effektiv erkannt, thematisiert und reduziert werden.
Quelle: Matvienko-Sikar, K., Dijk, W. V., Dockray, S., & Leahy-Warren, P. (2025). Modifiable and vulnerability factors for maternal stress and anxiety in the first 1000 days: An umbrella review and framework. Women and birth : journal of the Australian College of Midwives, 38(4), 101941. https://doi.org/10.1016/j.wombi.2025.101941 ∙ Beate Ramsayer/DHZ
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