In Deutschland bekommen alle Säuglinge eine orale Vitamin-K-Prophylaxe. Foto: © RioPatuca Images/stock.adobe.com

Blutungen durch Vitamin-K-Mangel bei Säuglingen sind eine seltene, aber potenziell lebensbedrohliche Erkrankung, die durch eine intramuskuläre Vitamin-K-Prophylaxe bei Neugeborenen wirksam verhindert wird. Trotzdem gibt es weltweit Berichte darüber, dass immer mehr Eltern die Vitamin-K-Prophylaxe ablehnen. Ziel einer schwedischen Kohortenstudie war nun, die zeitlichen Trends der prophylaktischen Einnahme von Vitamin K bei Neugeborenen und deren Zusammenhang mit Blutungsdiagnosen im Säuglingsalter zu untersuchen.

Design, Setting und Teilnehmende

Die landesweite Kohortenstudie umfasste alle lebendgeborenen Säuglinge, die zwischen dem 1. Januar 2003 und dem 31. Dezember 2021 mit mindestens 35 Schwangerschaftswochen zur Welt kamen, und verfolgte die Entwicklung der Kinder bis zum Alter von sechs Monaten. Die Datenanalyse wurde vom 1. Juni bis 19. Dezember 2025 durchgeführt.

Das primäre Ergebnis war eine Blutungsdiagnose innerhalb der ersten sechs Lebensmonate. Daten aus dem schwedischen Medizinischen Geburtsregister wurden mit mehreren schwedischen Nationalregistern verknüpft. Logistische Regression wurde verwendet, um adjustierte Odds Ratios (aORs) mit 95 %-KI zu schätzen.

Ergebnisse

Von 2.020.302 Lebendgeburten bekamen 24.089 Säuglinge (mittleres Gestationsalter 40,0 Wochen; 12.472 männlich [51,8 %]) keine nachweisliche intramuskuläre Vitamin-K-Verabreichung bei der Geburt. Die Rate der Kinder ohne Vitamin-K-Gabe sank während der ersten Studienjahre von 1,32 % (1.242 von 94.214 Neugeborenen) im Jahr 2003 auf 0,66 % (667 von 100.429 Neugeborenen) im Jahr 2006. Dann stieg sie allmählich an auf mehr als das Doppelte mit 1,50 % (1.619 von 107.915 Neugeborenen) im Jahr 2021.

Säuglinge ohne intramuskuläre Vitamin-K-Verabreichung hatten 1,54-fach höhere Blutungswahrscheinlichkeiten (aOR, 1,52; 95 %-KI, 1,27–1,81) und 3,18-fach höhere Wahrscheinlichkeiten für eine intrakranielle Blutungsepisode im Säuglingsalter (aOR, 2,91; 95 %-KI, 2,13–3,96) im Vergleich zu Säuglingen mit intramuskulärem Vitamin K.

Schlussfolgerungen

Die Studie zeigt, dass die Zahl der Säuglinge in Schweden, die bei der Geburt keine intramuskuläre Vitamin-K-Gabe erhalten, um Blutungsepisoden zu verhindern, weiterhin niedrig ist, aber steigt. Die betreffenden Säuglinge haben ein signifikant höheres Risiko für Blutungsepisoden, einschließlich intrakranieller Blutungen. Die Ergebnisse zeigen die Bedeutung der intramuskulären Vitamin-K-Gabe in der Neugeborenenperiode zur Verhinderung von Blutungsepisoden und die Notwendigkeit einer fortlaufenden Aufklärung von Eltern und Betreuenden.

In Deutschland erhalten alle Säuglinge eine orale Vitamin-K-Prophylaxe im Zuge der Vorsorgeuntersuchungen U1, U2, U3 bei den Kinderärzt:innen.

Quelle: Simatou, E., Tsamantioti, E., Hallström, A., Stephansson, O., Razaz, N., Persson, M., & Bolk, J. (2026). Vitamin K Prophylaxis in Newborns and Bleeding in Infancy. JAMA pediatrics, e262606. Advance online publication. https://doi.org/10.1001/jamapediatrics.2026.2606. · Deutsches Ärzteblatt, 5.8.2026 · DHZ