Schwangere mit CED gelten als Patientinnen mit erhöhtem Risiko. Die eingeschränkte Datenlage zur Sicherheit vieler CED-Medikamente erschweren eine einheitliche Versorgung. Illustration: © Bro Vector/stock.adobe.com

Ein internationales Expertengremium hat aktuelle Konsensempfehlungen für die Betreuung von Schwangeren mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) veröffentlicht. Die Empfehlungen wurden zeitgleich in sechs Fachzeitschriften publiziert und basieren auf einer umfassenden Auswertung der vorhandenen Evidenz, einschließlich der Daten aus der PIANO-Studie. Ziel ist eine weltweit standardisierte, evidenzbasierte Versorgung dieser Risikogruppe.

Hintergrund

Schwangere mit CED gelten als Patientinnen mit erhöhtem Risiko. Der Mangel an qualitativ hochwertigen Studien sowie die eingeschränkte Datenlage zur Sicherheit vieler CED-Medikamente erschweren eine einheitliche Versorgung. Das Global Consensus Consortium, bestehend aus 39 Fachleuten und 7 Patientenvertreterinnen und -vertretern aus sechs Kontinenten, hat daher evidenzbasierte Empfehlungen formuliert, um Versorgungslücken zu schließen.

Kernpunkte der Empfehlungen

1. Präkonzeptionelle Beratung und Remission:

  • Frauen mit CED sollten bereits vor einer geplanten Schwangerschaft beraten werden.
  • Eine stabile Remission über mindestens drei bis sechs Monate vor Empfängnis wird empfohlen.
  • Jede Schwangerschaft sollte als Risikoschwangerschaft klassifiziert werden.

2. Therapie in Schwangerschaft und Stillzeit:

  • Medikamente mit bekanntem Sicherheitsprofil (5-ASA-Präparate, Sulfasalazin, Thiopurine, monoklonale Antikörper) sollen in der Schwangerschaft, Stillzeit und präkonzeptionell fortgeführt werden.
  • Niedermolekulare Substanzen sollten – sofern möglich – ein bis drei Monate vor Empfängnis abgesetzt werden und werden auch in der Stillzeit nicht empfohlen.
  • Stillen unter Therapie mit monoklonalen Antikörpern, einschließlich IL-23-Inhibitoren, wird befürwortet, auch wenn Studiendaten hierzu noch begrenzt sind.

3. Prävention und Monitoring:

  • Beginn einer prophylaktischen Aspirintherapie zwischen der 12. und 16. Schwangerschaftswoche zur Reduktion des Präeklampsierisikos.
  • Engmaschige Überwachung hinsichtlich venöser Thromboembolien in der Schwangerschaft und postpartal.
  • Regelmäßige Rotavirusimpfung der Neugeborenen.

Praktische Relevanz für Hebammen

Hebammen sollten Schwangere mit CED als Hochrisikopatientinnen einstufen, die einer engmaschigen Betreuung in interdisziplinären Teams bedürfen. Die Kenntnis der empfohlenen Medikation und möglicher Risiken ist wesentlich, um Frauen kompetent zu begleiten und auf notwendige präventive Maßnahmen (z. B. Aspirinprophylaxe, Thromboseprophylaxe) hinzuweisen. Eine frühe und kontinuierliche Zusammenarbeit mit gastroenterologischen Fachärztinnen und -ärzten ist entscheidend.

Quelle: Mahadevan, U., Seow, C. H., Barnes, E. L., Chaparro, M., Flanagan, E., Friedman, S., Julsgaard, M., Kane, S., Ng, S., Torres, J., Watermeyer, G., Yamamoto-Furusho, J., Robinson, C., Fisher, S., Anderson, P., Gearry, R., Duricova, D., Dubinsky, M., Long, M., & Global Consensus Group for Pregnancy and IBD (2025). Global Consensus Statement on the Management of Pregnancy in Inflammatory Bowel Disease. Clinical gastroenterology and hepatology : the official clinical practice journal of the American Gastroenterological Association, S1542-3565(25)00322-2. Advance online publication. https://doi.org/10.1016/j.cgh.2025.04.005 ∙ Deutsches Ärzteblatt, 1.9.2025 ∙ DHZ