Schwangerschaftskomplikationen können ein erster Hinweis auf ein drohendes Vorhofflimmern sein, an dem die betroffenen Frauen erst Jahrzehnte später erkranken. Foto: © sudok1/stock.adobe.com

Die Schwangerschaft stellt eine erhebliche Belastungsprobe für den Körper dar. Nicht selten treten in diesem Zeitraum erstmals Erkrankungen wie arterielle Hypertonie oder ein Typ-2-Diabetes in Erscheinung. Zwar normalisieren sich diese Störungen häufig nach der Geburt, doch Jahre später kann es zur Manifestation chronischer Erkrankungen kommen.

Eine Arbeitsgruppe um Casey Crump vom Texas Health Science Center in Houston hat nun untersucht, inwieweit Schwangerschaftskomplikationen mit dem späteren Auftreten von Vorhofflimmern assoziiert sind – einer Herzrhythmusstörung, die typischerweise erst im höheren Lebensalter diagnostiziert wird, wenn die Schwangerschaften bereits Jahrzehnte zurückliegen.

46 Jahre Nachbeobachtungszeit

Für die Analyse nutzte Crump Daten aus dem schwedischen Geburtenregister, das seit 1973 besteht und verschiedene geburtshilfliche Komplikationen systematisch erfasst. Mithilfe der persönlichen Identifikationsnummern konnte nachvollzogen werden, ob die Frauen im weiteren Lebensverlauf in ambulanten oder stationären Patientenregistern mit der Diagnose Vorhofflimmern geführt wurden. Die maximale Nachbeobachtungszeit betrug 46 Jahre.

Von insgesamt 2,2 Millionen erfassten Schwangeren hatten 39,2 % mindestens eine von sechs definierten Schwangerschaftskomplikationen: Frühgeburt, Small for Gestational Age (SGA), Large for Gestational Age (LGA), Präeklampsie, andere hypertensive Erkrankungen oder einen Schwangerschaftsdiabetes.

Mit Ausnahme von SGA waren sämtliche Komplikationen mit einem erhöhten Risiko für ein späteres Vorhofflimmern verbunden. Bereits innerhalb der ersten zehn Jahre nach der Geburt zeigte sich ein Anstieg der Erkrankungsrate bei Frauen mit anderen hypertensiven Schwangerschaftserkrankungen, nach Frühgeburten sowie nach LGA-Geburten.

Risiko nach Präeklampsie und Schwangerschaftsdiabetes

Im Langzeitverlauf von 30 bis 46 Jahren ließ sich zudem ein signifikant erhöhtes Risiko für Vorhofflimmern bei Frauen nach Präeklampsie oder Schwangerschaftsdiabetes nachweisen. Auch LGA-Geburten, Frühgeburten sowie andere hypertensive Erkrankungen während der Schwangerschaft blieben im höheren Lebensalter mit einem gesteigerten Vorhofflimmerrisiko assoziiert.

In einer Analyse des populationsattributablen Risikos (PAR) wurde berechnet, dass Präeklampsie für 5,1 % aller Fälle von Vorhofflimmern im Alter verantwortlich ist. Weitere 3,1 % entfielen auf LGA-Geburten und 2 % auf die übrigen Schwangerschaftskomplikationen.

Der zugrunde liegende Pathomechanismus ist bislang nicht eindeutig geklärt. Eine Mediationsanalyse legt jedoch nahe, dass die durch Schwangerschaftskomplikationen »enttarnte« Prädisposition für arterielle Hypertonie und Typ-2-Diabetes maßgeblich zum erhöhten Vorhofflimmerrisiko im späteren Leben beiträgt.

Schwangerschaftskomplikationen sollten daher als Anlass genommen werden, Blutdruck und weitere kardiometabolische Risikofaktoren regelmäßig zu überwachen und frühzeitig zu therapieren.

Quelle: Crump, C., Wei, J., Sundquist, J., & Sundquist, K. (2025). Adverse pregnancy outcomes and long-term risk of atrial fibrillation. JAMA Cardiology, 10(12), 1285–1294. https://doi.org/10.1001/jamacardio.2025.3951 ∙ Deutsches Ärzteblatt, 7.11.2025 ∙ DHZ